Magdeburg l BUND-Landeschef Oliver Wendenkampf ist für seine Streit- und Klagelust berüchtigt. Wendenkampf ist aber auch eins - ganz normaler Magdeburger Kleingärtner. Bis jetzt jedenfalls. Seit ein paar Jahren beackert er eine kleine Scholle im Verein Reichsbahn Buckau. Doch mit der Ruhe eines Hobbygärtners ist es nun auch vorbei. Wendenkampf und sein Kleingarten-Kollege Roland Zander vom Verein Lerchenwuhne fordern die Vorstandschefin des Stadtverbandes Ute Simon offen heraus. Beide gaben jetzt im Gespräch mit der Volksstimme bekannt, dass sie für den Chefposten im Stadtverband der Gartenfreunde Magdeburg kandidieren wollen. Gewählt wird der neue Vorstand am Sonnabend, dem 20. September, beim 9. Verbandstag im Büro- und Tagungscenter an der Rogätzer Straße.

Der Kleingartenverband vertritt die Interessen seiner 232 Mitgliedsvereine. Das aber wohl nicht gut genug, wie Zander und Wendenkampf finden. Deshalb treten beide bei der Wahl gegen Ute Simon an, die seit 2006 Verbandschefin und zugleich Leiterin der Geschäftsstelle ist.

"Nach Gutsherrenart"

"Mir würde es auch reichen, in meinem Garten zu buddeln, aber ich kann nicht anders", meint Wendenkampf zu seiner durchaus überraschenden Kandidatur für den Magdeburger Kleingartenverband und begründet: Der Verband brauche einen Neuanfang. Wendenkampf spricht von Intransparenz im Verband, von fragwürdiger Verteilung von Geldern und falscher Politik in der Verbandsführung. Verbandschefin Simon regiere gern mal "nach Gutsherrenart". Beispiele hat der Kleingärtner Wendenkampf auch parat. Etwa: "Unser Verein Reichsbahn Buckau hat ein paar Tausend Euro für die Sanierung des Hauptweges beantragt. Geld, das uns mit unseren Einzahlungen an den Verband auch zusteht. Zweimal beantragt, zweimal abgelehnt - wegen Formsachen. Man wollte einfach nicht", so sein Verdacht. Auch Roland Zander, der zu Verbandschefin Simon erst recht keinen Draht finden kann, hat eine Menge zu kritisieren. So verweigere der Stadtverband die Herausgabe von Namen und Anschriften jener Vereine, die laut einer gutachterlichen Expertise für die Stadt langfristig im Bestand gefährdet sind. "Das lehnt Frau Simon ab", beklagt Zander. Wenn ganze Vereine auf der Kippe stünden, hätten alle das Recht zu erfahren, welche das sind und "wie diese Einschätzung überhaupt entstanden ist", so Zander weiter.

Alle Alarmglocken läuten

Die Rede sei von langfristig bis zu 133 bedrohten Vereinen. "Da müssten beim Verband alle Alarmglocken läuten", findet Wendenkampf. Und es müssten "gemeinsam Lösungen gefunden werden, um die Vereine zu retten". Das sei eine Gemeinschaftsaufgabe, weshalb man auch wissen wolle, "worüber wir eigentlich reden", so Zander und Wendenkampf. Es könne beim Verbandstag deshalb nicht nur um die Frage gehen, wie der wachsende Leerstand zu bezahlen sei. Der sogenannte Solidarzuschlag steht am 20. September bei den gut 230 Delegierten zur Abstimmung: Soll künftig jeder Kleingärtner 10 Euro pro Jahr zusätzlich zur Finanzierung des Leerstandes berappen oder das die betroffenen Vereine allein stemmen? An dieser Frage entzünden sich die Gemüter im Vorfeld des Verbandstages mindestens ebenso wie an den Personalfragen. Neben Wendenkampf und Zander, beide auch im Stadtrat aktiv, wollen sich weitere Kleingärtner u. a. aus Brückfeld und Neue Neustadt für einen Platz im Vorstand bewerben. Der Volksstimme liegt die Namensliste vor. Etliche Themen liegen für den 20. September auf dem Tisch. Mehrere Vereine haben Anträge u. a. zur Offenlegung aller Finanzen des Verbandes, zur Änderung der Satzung oder Unterstützung bedrohter Vereine gestellt. Es geht letztlich um nichts Geringeres als um Existenzfragen für die Vereine und ihren Dachverband.