Magdeburg l Die Abrissbagger sind abgerückt. Nun haben Archäologen das Sagen an jener Stelle, wo 40 Jahre am Breiten Weg 261 bis 264 ein Wohnblock stand. Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth gibt einen ersten Überblick über die Funde: "Die Funde reichen aus der jüngeren Zeit bis weit zurück ins Mittelalter."

Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses stehen derzeit Reste einer Straßenpflasterung. Diese befand sich im Mittelalter noch vor dem Stadttor. Frank Besener ist Grabungstechniker und er sagt: "Es könnte sich um den Breiten Weg handeln, vielleicht aber auch um eine platzartige Struktur in dessen Umgebung, um eine Verbindungsstraße zur Elbe oder die Zufahrt zu einem Grundstück." Die Grabungsarbeiten sollen noch bis Ende Oktober andauern, bis dahin hoffen die Archäologen auf weitere aussagekräftige Ergebnisse. Zwei Schnitte parallel zum Breiten Weg mit einer Länge von je 100 Metern sollen dazu von den vier Archäologen untersucht werden.

Der Querschnitt bis in eine Tiefe von mehr als vier Metern gleicht einem Gemälde magdeburgischer Geschichte. Allein: Die Geheimnisse und Zeichen zu entschlüsseln bedarf mühevoller Kleinarbeit. Jedes Knöchelchen, jede Scherbe, jede Münze könnten Hinweise liefern. Klar ist, wie Gösta Ditmar-Trauth berichtet, dass eine Siedlungsschicht knapp über dem mittelalterlichen Straßenpflaster aus dem 13.Jahrhundert stammt. Humusreste erinnern an das Leben der Menschen, Holzkohlestücke an Brände, Schlackereste an die Metallverarbeitung in der vorindustriellen Epoche. Entscheidend sei es, die Lage der Fundstücke genau zu dokumentieren. Frank Besener sagt: "Eine alte Münze hat für uns beispielsweise ohne das genaue Wissen über ihren Fundort kaum noch einen Wert."

Mit Blick auf den derzeitigen Stand der Grabungen sagt Gösta Ditmar-Trauth: "Dieser alte Straßenbelag dürfte nach unseren derzeitigen Schätzungen im 12. Jahrhundert entstanden sein." Mit weiteren Details hoffen er und seine Kollegen, neue Erkenntnisse über das alte Magdeburg zu gewinnen. "Diese können für Stadtplaner ebenso wie für den Tourismus von großem Interesse sein", nennt der Grabungsleiter Beispiele für den Nutzen ihrer Arbeit.

Auf den Spuren des alten Breiten Wegs

Magdeburg (ri) l Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg in der Magdeburger Altstadt. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Hier einige Impressionen.

  • André Benke (l.) und Matthias Weißbrenner sichern die Funstücke, die sie aus dem mittelalterlichen Straßenpflaster herausarbeiten. Foto: Martin Rieß

    André Benke (l.) und Matthias Weißbrenner sichern die Funstücke, die sie aus dem mittelalterli...

  • Dieser Doppelkeller direkt gegenüber dem Bürgerbüro ist inzwischen wieder verschlossen.

    Dieser Doppelkeller direkt gegenüber dem Bürgerbüro ist inzwischen wieder verschlossen.
    Quelle: privat

  • Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth (l.) und Frank Besener dokumentieren die Grabung. Foto: Martin Rieß

    Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth (l.) und Frank Besener dokumentieren die Grabung. Foto:...

  • Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Darunter geologische Spuren wie dieser Eiszeitkeil. Foto: Martin Rieß

    Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter...

  • Eiszeitliche Spuren unter den menschlichen Hinterlassenschaften. Foto: Martin Rieß

    Eiszeitliche Spuren unter den menschlichen Hinterlassenschaften. Foto: Martin Rieß

  • Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth und Frank Besener an einem Rest der Festungsanlagen.  Foto: Martin Rieß

    Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth und Frank Besener an einem Rest der Festungsanlagen. F...

  • Blick auf den Boden einer 0,25-Liter-Flasche. Gut an der TGL-Nummer zu erkennen, dass sie zu DDR-Zeiten produziert wurde. Foto: Martin Rieß

    Blick auf den Boden einer 0,25-Liter-Flasche. Gut an der TGL-Nummer zu erkennen, dass sie zu D...

  • Die Keramik, die zu dieser Scherbe gehörte, könnte schon in der Eisenzeit entstanden sein. An ihren Fundort im Straßenpflaster muss sie aber sehr viel später gelangt sein. Foto: Martin Rieß

    Die Keramik, die zu dieser Scherbe gehörte, könnte schon in der Eisenzeit entstanden sein. An ...

  • Frank Besener (l.) und Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth zeigen den Rest eines Gewölbes, das von einer Festungsmauer (links im Blid) durchschnitten ist. Die Festungsmauer reicht bis in eine Tiefe von acht bis neun Metern - die Archäologen bewegen sich in einer Tiefe von etwas mehr als vier Metern. Foto: Martin Rieß

    Frank Besener (l.) und Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth zeigen den Rest eines Gewölbes, ...

  • Eine der wichtigsten Aufgaben für Archäologen ist es, die genaue Lage der Funde zu dokumentieren. Hier im Gespräch Frank Besener (l.) und Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth. Foto: Martin Rieß

    Eine der wichtigsten Aufgaben für Archäologen ist es, die genaue Lage der Funde zu dokumentier...

  • Kleinste Keramikreste aus dem mittelalterlichen Straßenbelag sollen Aufschluss darüber geben, wie alt die Pflasterung ist. Foto: Martin Rieß

    Kleinste Keramikreste aus dem mittelalterlichen Straßenbelag sollen Aufschluss darüber geben, ...

  • Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Hier der Rest der nach dem Dreißigjährigen Krieg errichteten Festungsanlagen. Foto: Martin Rieß

    Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter...

  • Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth (l.) und Frank Besener dokumentieren die Grabung. Foto: Martin Rieß

    Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth (l.) und Frank Besener dokumentieren die Grabung. Foto:...

  • Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Hier der Skelettrest eines Haustiers - wahrscheinlich einer Ziege. Foto: Martin Rieß

    Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter...

  • Grobkörnige Strukturen beginden sich in den Sedimenten, in denen beispielsweise mit den Resten von Schalentieren zu rechnen ist und wo der Mensch keine Spuren hinterlassen hat.  Foto: Martin Rieß

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  • Spuren des Zweiten Weltkriegs: Von den beiden Lampenschalen wurde die linke durch die Hitze beim Brand nach der Bombardierung verformt. Foto: Martin Rieß

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  • Mittelalterliche Spuren treffen auf jüngere Funde.  Foto: Martin Rieß

    Mittelalterliche Spuren treffen auf jüngere Funde. Foto: Martin Rieß

  • Unter den Siedlungsspuren geologische Strukturen, die auf eine Eiszeit zurückzuführen sind. Foto: Martin Rieß

    Unter den Siedlungsspuren geologische Strukturen, die auf eine Eiszeit zurückzuführen sind. Fo...

  • Ein jüngerer Fund: Eine Flasche aus DDR-Zeiten. Foto: Martin Rieß

    Ein jüngerer Fund: Eine Flasche aus DDR-Zeiten. Foto: Martin Rieß

  • Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Foto: Martin Rieß

    Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter...

  • Scherben, die wohl aus einem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Lampenlager stammen. Foto: Martin Rieß

    Scherben, die wohl aus einem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Lampenlager stammen. Foto: Martin...