Magdeburg (pl) l Wer etwas auf die Liste der Unesco-Weltkulturerbestättem hieven will, muss sich darauf verstehen, "mühsam dicke Bretter zu bohren". Das jedenfalls ist die Erkenntnis aus einer Stellungnahme von Magdeburgs Kulturbeigeordnetem Rüdiger Koch, die morgen auf dem Tisch des Stadtrats-Kulturausschusses liegen wird.

Es geht um Magdeburgs Wahrzeichen, den Dom. Er habe eine künstlerische und historische Bedeutung von Weltrang und gehöre damit auch als Weltkulturerbe besonders unter Schutz gestellt. Dieses Ansinnen ist nicht ganz taufrisch, es gab schon mehrere Anläufe, den Dom auf die begehrte Liste zu bekommen, allerdings ohne Erfolg. Die Grünen im Stadtrat haben im Frühjahr trotzdem einen Neustart gewagt und den Antrag eingebracht, der Oberbürgermeister solle der Sache wieder Schwung verleihen, entsprechende Gespräche führen und einen Antrag vorbereiten. Die Stellungnahme von Kulturbürgermeister Koch dazu fällt allerdings sehr ernüchternd aus - besagtes "dickes Brett", das es zu bohren gilt, wird deutlich sichtbar.

Der Dom gehört erst einmal nicht der Stadt Magdeburg, sondern der Landesstiftung "Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt". In den 1990er Jahren hat die Stadt das Kulturdenkmal an das Land übertragen. Das heißt, die Stadt Magdeburg kann nur den politischen Willen bekunden, dass der Dom Weltkulturerbe werden soll, aktiv werden in der Sache kann die Stadt nicht.

Liste mit langer Laufzeit

Dazu kommt, dass die Unterschutzstellung und Pflege von Denkmälern Ländersache ist. Darum können auch nur die Länder Denkmale für die Unesco-Welterbeliste vorschlagen. Klar ist, dass natürlich jedes Bundesland eine lange Liste von Vorschlägen sofort aus der Schublade ziehen könnte, jedes Land muss sich aber auf wenige Vorschläge begrenzen. Die Kultusministerkonferenz stellt aus den Vorschlägen eine Liste zusammen. Diese Liste, auch Tentativliste genannt, wird dann dem Auswärtigen Amt (Außenministerium) übergeben. Dessen ständige Vertretung bei der Unesco übergibt die Liste an das Weltkulturerbezentrum in Paris. Schon allein dieses Verfahren kann problemlos zwei Jahre dauern. Die "jüngste" Liste aus Deutschland stammt von 1998 und gilt bis dieses Jahr. Die Kultusministerkonferenz hat auch schon eine neue Liste ausgearbeitet, auf der neun Vorschläge stehen (aus 31 Vorschlägen ausgewählt). Der Magdeburger Dom steht bekanntermaßen nicht darauf. Diese neue Liste gilt ab 2016. Und da (erinnert sei an das "dicke Brett") jedes Land nur einen Vorschlag pro Jahr an die Unesco abgeben darf, hat diese deutsche Liste Bestand bis 2025.

Und mit noch einem Aspekt "erdet" Rüdiger Koch die Weltkulturerbe-Ambitionen der Grünen. Magdeburgs Wahrzeichen stand schon auf der vorletzten deutschen Vorschlagsliste und wurde 1998 von den Unesco-Gutachtern auf seine Welterbe-Tauglichkeit hin untersucht. Das niederschmetternde Ergebnis damals: kein außergewöhnlicher universeller Wert!

Obwohl Rüdiger Kochs Stellungnahme alles andere als ermutigend ausgefallen ist, "stirbt" wohl auch bei ihm "die Hoffnung zuletzt", denn er schlägt vor, es in ein paar Jahren einfach noch einmal zu probieren und die Möglichkeit auszuloten, den Magdeburger Dom erneut auf die Vorschlagsliste der Kultusministerkonferenz zu bekommen.

Eine Nummer kleiner

Oder aber es geht auch etwas kleiner. Auf europäischer Ebene gibt es das "Europäische Kulturerbe-Siegel", das von den Denkmalschützern der Europäischen Union vergeben wird. Dafür sollte, so Koch, das Areal Dom/Kloster Unser Lieben Frauen und das zukünftige Dommuseum als Einheit vorgeschlagen werden. Allerdings erst, wenn das Dommuseum auch fertig ist.