40 Jahre alt wird die Stadtfelder Kita "Pinocchio" in wenigen Tagen. Nach einem verheerenden Brand vor 14 Jahren war der Abriss eigentlich beschlossene Sache. Engagierte Eltern und Erzieher kämpften dagegen mit Erfolg.

Stadtfeld-Ost l "Wertgemindert und ungenutzt" waren Anfang der 1970er Jahre die Bauteile der künftigen Kita in der Wilhelm-Külz-Straße noch irgendwo eingelagert. Im Zuge des dringend notwendigen Kita-Ausbaus hatte dann jemand die Idee, die eigentlich als Wohnungselemente für Zehngeschosser gedachten Betonplatten für einen Kindergarten zu nutzen.

Die Deutsche Reichsbahn und das Spezialbaukombinat errichteten den Flachbau innerhalb von zwei Jahren. Am 1. Oktober 1974 überreichte der damalige Stadtbezirksbürgermeister Franke den Einrichtungsschlüssel an die Leiterin Giesela Kaufmann. Drei Tage später eroberten 108 Jungen und Mädchen zwischen drei und sechs Jahren erstmals den Flachbau, der bis heute unverändert blieb. Ab November 1985 wurden dann auch Krippenkinder betreut.

1997 kam die heutige Leiterin Barbara Müller an Bord, damals noch als Angestellte der Stadt. Drei Jahre später standen sie, ihre Mitarbeiter und die Eltern von 74 kleinen Kindern vor dem Nichts. Am 20. März 2000 stiegen drei Jugendliche, mit 11, 13 und 14 Jahren fast selbst noch Kinder, in die Kita ein. Sie waren auf der Suche nach Süßigkeiten. Neben diesen fanden sie aber auch eine Kerze. Sie zündeten sie an und verschwanden. Ein Gruppenraum brannte komplett aus, der Rest der Einrichtung war durch den Ruß nicht mehr nutzbar.

Die Kinder wurden eilends auf andere Einrichtungen verteilt. Hinter den Kulissen brodelte es. Angesichts der anstehenden Sanierungskosten tendierte die Stadtverwaltung dazu, die Kita dichtzumachen und abzureißen. Eltern und Erzieher wollten ihren "Pinocchio" aber nicht aufgeben, kämpften monatelang, sammelten Spenden und moralische Unterstützung. Unter Federführung von Michael Kleinen und Jens Kersten wurde ein Förderverein gegründet, der bis heute rührig für das Haus und seine kleinen Bewohner aktiv ist. Im September des gleichen Jahres können die "Pinocchios" wieder einziehen. Ihre Eltern und Erzieher hatten nach Feierabend und am Wochenende gemaltert, gezimmert und tapeziert.

"Die ganze Sache war zwar schlimm, hat uns aber auch zusammengeschweißt", ist sich Barbara Müller heute, 14 Jahre später, sicher. Als Dank gab es damals eine gemeinsame Fahrt mit Kindern, Eltern und Erziehern. Daraus wurde eine Tradition, jedes Jahr machen sie einen Ausflug.

Der Förderverein sammelt weiter fleißig Spenden. Ein Trinkbrunnen, ein großes Spielgerät und eine Vogelnestschaukel konnten dadurch bereits angeschafft werden. Dieses Jahr gibt es eine neue Hangrutsche, die zum Jubiläumsfest am 2. Oktober eingeweiht wird.

Als verfrühtes Geburtstagsgeschenk hatte der Stadtrat bereits im Juli die Sanierung der Kita beschlossen. An vierter Stelle auf der Prioritätenliste stehend könnte es im nächsten Jahr damit losgehen. "Wir lassen uns überraschen", sagt Barbara Müller und ergänzt erleichtert: "Es wird Zeit."

Zum Jubiläumsfest sind auch alle ehemaligen Kinder und Erzieherinnen eingeladen. Gemeinsam wird der Umstand gefeiert, dass die eigentlich schon abgeschriebene Kita "Pinocchio" dank der Eltern und Mitarbeiter wie Phönix aus der Asche steigen konnte.

   

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