Bad Salzelmen l Pünktlich um 10.07 Uhr war am Sonnabend die sonore Stimme aus dem Lautsprecher des S-Bahnhaltepunktes Bad Salzelmen zu hören: "Der Zug wird heute fünf Minuten später einfahren." An Bord der Verspätungs-S-Bahn: Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel. Schulterzucken bei allen auf dem Bahnsteig. Warum sollte es ausgerechnet bei der Jubiläumsfahrt der S-Bahn zum 40. Geburtstag anders sein als im Alltag?

Doch ausgerechnet wegen dieser geringfügigen Unpünktlichkeit die S-Bahn auf ein Abstellgleis zu schieben, würde der 40-jährigen Erfolgsgeschichte nicht gerecht werden. Die Stadt Schönebeck und vor allem der Kurpark Bad Salzelmen - im Grunde hält der Zug direkt vor dem Eingang - profitieren seit 1974 von der regelmäßigen Anbindung an die Bezirks- und spätere Landeshauptstadt. Als der Fahrschein in der Anfangszeit noch 20 DDR-Pfennig kostete, fuhren jährlich neun Millionen Kunden mit der S-Bahn. Heute kostet das Ticket nach Magdeburg 2,60 Euro. Derzeit zählt die Bahn zwei Millionen Passagiere jährlich.

Auch die Takte haben sich verändert. Fuhr die S-Bahn vor der Wende noch alle 10 Minuten, stehen heute werktags 30 Minuten und am Wochenende 60 Minuten im Fahrplan. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister hatte noch einige andere Zahlen und Fakten parat: Die beliebtesten Haltepunkte waren zu DDR-Zeiten Hasselbachplatz und Eichenweiler. Und Frank Klingenhöfer von der DB-Regio Südost wusste zu berichten, dass alle S-Bahnen Magdeburgs derzeit im Jahr zusammen so viele Kilometer erfahren, um zehnmal den Erball zu umrunden.

Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch hob die Bedeutung der S-Bahn für die Elbestadt hervor. Schönebeck profitiert jeden Tag von der schnellen Anbindung nach Magdeburg. "Ich habe die Hoffnung, dass es mit dem nächsten Fahrplanwechsel nicht wieder eine Preiserhöhung geben wird. Außerdem würde ich mich freuen, wenn die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH am Schnittstellenprogramm für Schönebeck-Süd festhalten wird", so Bert Knoblauch.

Webel, Knoblauch und Klingenhöfer weihten vor der Festeröffnung im Bad Salzelmener Kurpark noch das neue Logo der zukünftigen S-Bahn "Mittelelbe" ein. Es ist das gleiche weiße "S" auf dunkelgrünem Grund, nur optisch leicht verzerrt. Es sieht moderner und dynamischer aus, so wie sich die S-Bahn auch in Zukunft darstellen will. "Bis 2028 ist der S-Bahnverkehr gesichert. Und bald werden wir die Strecke auch bis Stendal verlängern", verkündete Minister Thomas Webel.

Bahn- und Politik-Prominenz schnitt anschließend im Kurpark einen süßen Kuchen in Form eines S-Bahnzuges an. Damit wurde ein buntes Fest eröffnet - für kleine und große Bahnkunden sowie Autofahrer, die vielleicht auch mal wieder auf die Bahn umsteigen wollen - aber ohne die tägliche Verspätung.

 

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