Ende November räumt der Sozialbeigeordnete Hans-Werner Brüning seinen Stuhl. Der Linke-Politiker tritt in den Ruhestand ab. Zwei Bewerbungsrunden mit insgesamt 38 Kandidaten haben zwei mögliche Nachfolgerinnen zutage gefördert. Der Stadtrat hat am 2. Oktober die Wahl.

Magdeburg l Simone Borris und Ankristin Wegener heißen die beiden letzten im Rennen verbliebenen Kandidatinnen um die Führung des Sozialdezernates ab 1. Dezember. OB Lutz Trümper (SPD) bestätigt die Personalien auf Nachfrage und auch, dass der einzige Mann, der die Vorauswahl bestanden hatte, seine Bewerbung zurückgezogen hat. Der politisch unbequeme, aber eben deshalb von Betroffenen geachtete Landesbehindertenbeauftragte Adrian Maerevoet (parteilos) soll und will nach Verwerfungen mit seinem Chef, dem SPD-Sozialminister Norbert Bischoff, nun doch im Amt bleiben. "Weil mich Betroffene intensiv darum gebeten haben", gibt Maerevoet zu Protokoll. Seine Ambitionen, Sozialbeigeordneter in Magdeburg zu werden, hat er ad acta gelegt.

Damit ist klar: Das Sozialdezernat steht künftig unter weiblicher Führung. Die Männerwirtschaft auf den sechs Stadtministerposten von Recht bis Finanzen, Wirtschaft bis Soziales, Bau bis Bildung hat ein Ende. "Schon das freut mich sehr, für Frau Borris und für mich. Wir Frauen haben bewiesen, dass man nicht an uns vorbeikommt, dass wir´s drauf haben", sagt Ankristin Wegener. Tatsächlich spricht die politische Vita der Favoritinnen ums hohe Amt dafür, dass fachliche Eignung und nicht das Parteibuch Kriterium bei der Suche nach einem neuen Kopf fürs Sozialdezernat war.

Ankristin Wegener (50) - geboren in Düsseldorf, aufgewachsen in Hannover, seit 1995 in Magdeburg heimisch - ist seit 2002 als Referentin im Sozialministerium tätig und Mitglied der FDP. Die Liberalen verfügen nur noch über zwei Sitze im Rat und kaum mehr über die Kraft, bei parteipolitischem Postengeschacher mitzumischen. "Dass ich es trotzdem bis in die Endrunde geschafft habe, macht mich stolz", sagt Wegener, die sich als Sozialbeigeordnete zuerst den Themen Pflege und Vernetzung widmen würde. "Aus meiner Sicht wird Sozialpolitik zu sektoral betrachtet; hier die Alten, da die Jungen, hier die Ausländer, da die Pflegebedürftigen. Alte können Jungen helfen und umgekehrt und auch Ausländer einen wertvollen Beitrag leisten. Ich sehe viel Potenzial."

Das größere Potenzial, das Sozialdezernat fachkundig zu führen, schreiben Eingeweihte - Amtsmitarbeiter wie Stadtpolitiker - allerdings Wegeners Konkurrentin Simone Borris zu. Die 51-Jährige hat gar kein Parteibuch in der Tasche, führt aber de facto das Dezernat in weiten Teilen bereits jetzt. Borris, geboren in Haldensleben, aber seit ihrem 7. Lebensjahr Magdeburgerin, trat 1990 ihren Dienst als Sachbearbeiterin im Sozialamt an, wurde 1991 zur Abteilungsleiterin, 2003 zur amtierenden und 2009 zur Amtsleiterin bestellt. Führungslose Pflegeheime oder kopfloses Jugendamt - wo immer es im Dezernat "brannte", musste die Frau als "Wunderwaffe" herhalten und kommissarisch die Löschmeisterin spielen. "Ich weiß, worauf ich mich einlasse", kommentiert Borris ihre Bewerbung um die Dezernatsleitung. "Ich möchte, dass wir unsere Arbeit für die Bürger gut machen." Die nötige Durchsetzungskraft hat Borris unter Beweis gestellt. Im Amt und draußen auf dem Platz. Nach Feierabend ist Simone Borris leidenschaftlich im Frauenfußball aktiv.

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