Magdeburg l Fünf von 25 ehemaligen Minol-Tankstellen in Magdeburg hatte die Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF) nach einer gemeinsamen Untersuchung mit der Stadt im Jahr 2005 besonders auf dem Schirm. "Die übrigen 20 waren entweder bereits erledigt oder es bestand kein Handlungsbedarf", erklärt Projektleiterin Dr. Birgit Harpke. Die fünf galt es aber im Auge zu behalten und mittelfristig von den vorhandenen Altlasten zu befreien. Am Olvenstedter Platz wurde die Gefahr eines Umweltschadens inzwischen am größten.

Benzin aus 50 Jahren Betrieb

Gebaut in den 1930er Jahren wurde bis 1985 an der Tankstelle dort Kraftstoff gezapft. 50 Jahre Betrieb hatten ihre Spuren hinterlassen. Rückstände von Benzin und Diesel mit einem geschätzten Gewicht von 12 Tonnen seien dort im Erdreich zu finden, erklärt Evelyn Schaffranka, stellvertretende Geschäftsführerin der LAF. Und das wird jetzt ausgetauscht und fachgerecht entsorgt.

Die Total Deutschland GmbH ist als Rechtsnachfolgerin der Minol-Kette offizielle Bauherrin für das Projekt, wie Sprecher Manuel Fuchs auf Nachfrage bestätigt. "Wir entziehen uns aber nicht der Verantwortung", erklärt er. Federführend für die eigentliche Ausführung sei aber die LAF. Evelyn Schaffranka erklärt deshalb das Vorhaben: "Es wurden mittlerweile massive Belastungen in bis zu sechs Meter Tiefe festgestellt." Mit der Menge an Schadstoffen handelt es sich auch um eine der größeren Sanierungen der LAF. Derzeit werden oberflächliche Aushub- arbeiten bis 2,5 Meter Tiefe durchgeführt. Außerdem wurden bereits die alten Tanks aus der Erde entfernt. Dabei gab es Überraschungen. Laut den vorliegenden Plänen erwartete man nur fünf, gefunden hat man aber stattdessen zwölf leere Tankbehälter, so Birgit Harpke.

Gasdichte Container

Ab Mitte Oktober geht es dann mit einem Großlochbohrer mit einem Durchmesser von 1,80 Meter in die Tiefe. Die kontaminierte Erde wird damit nach oben geholt und sofort in gasdichte Container verfrachtet, um die Emissionen so gering wie möglich zu halten. Zum Schutz der umliegenden Wohnhäuser wurden mit Folien umspannte Gerüste aufgebaut, die westlich und östlich der Baustelle stehen.

Rund um das Gelände sind zudem Messstellen aufgestellt, die halbstündlich die Luftzusammensetzung messen, damit bei einer möglichen Belastung schnell reagiert werden kann. Außerdem gibt es eine Reingungsanlage für das Grundwasser, die auch über das Ende der Sanierungsarbeiten im November bis März 2015 vor Ort weiterbetrieben wird.

Dass die Altlastensanierung gerade jetzt durchgeführt wird, hat offenbar nichts mit aktuellen Bauplänen zu tun. Die Total GmbH ist nicht mehr Eigentümerin des Grundstücks, wie Manuel Fuchs bestätigt. Und Birgit Harpke ergänzt, dass es während der Projektplanung zwar zeitweilig ein Interesse an einer Neubebauung im Zuge der Sanierung gegeben habe. Diese Pläne hätten sich aber Ende 2013 zerschlagen, sodass die Landesanstalt die erforderliche Säuberung auch ohne Folgenutzung durchgezogen hat.

Belastung ist "ortsstabil"

Ende 2011 hatten die Ergebnisse der Grundwasserüberwachung der Stadt gezeigt, dass die Belastung doch massiv war. Da sie aber durch eine wasserundurchlässige Schicht "ortsstabil" sei, war die Gefahr einer Verunreinigung gering, erklärt Harpke. Das Grundwasser sei nur minimal betroffen, weil es an dieser Stelle nur sehr langsam fließt, so die Projektleiterin. Die übrigen vier Minol-Standorte seien laut Birgit Harpke "fast erledigt". An der Külzstraße, am Sudenburger Tor und in der Lüneburger Straße gibt es derzeit keinen Handlungsbedarf. Nur am Damaschkeplatz müsste man wohl aktiv werden - wenn denn Tunnel- bzw. Autohausbau irgendwann einmal beginnen.