Magdeburg l Aktuell leitet der Kulturbeigeordnete Rüdiger Koch bei Abwesenheit seines Parteifreundes Lutz Trümper (beide SPD) als 1. Stellvertreter und Bürgermeister die Geschicke der Stadt. Den 2. Stellvertreterposten hat der Sozialbeigeordnete Hans-Werner Brüning (Linke) inne. Die beiden Männer treten in Kürze - Koch Ende Oktober und Brüning Ende November - in den Ruhestand ab. Ergo: Das Stadtoberhaupt muss sich neue Stellvertreter suchen und der Stadtrat die Auswahl absegnen. Es geht um Politik, Vertrauen und nicht zuletzt auch um gut bezahlte Posten.

Trümper hat seine Vorschläge gestern öffentlich gemacht. Als Bürgermeister und 1. Stellvertreter will er sich den CDU-Finanzbeigeordneten Klaus Zimmermann zur Seite stellen. Der leitet seit 2007 das Finanzdezernat, kann trotz des anderen Parteibuchs sozusagen gut mit dem Finanzpolitiker Trümper und sollte schon anno 2008 zusätzlich mit dem Bürgermeister-Amt bedacht werden. "Es war ja schon zu Zeiten von Willi Polte so Usus, dass der 1. Stellverteter nicht das gleiche Parteibuch wie der Oberbürgermeister hat", erinnert Trümper auf Nachfrage zu den Gründen für seine aktuelle Auswahl. Poltes Vize war der parteilose, aber CDU-nahe Stadtfinanzchef Bernhard Czogalla. Dass sein Nachfolger Zimmermann nicht schon 2008 auch als Bürgermeister zum Zuge kam, hatte seinen Grund in den gewaltigen Verwerfungen nach den Stadtminister-Wahlen 2007. Damals scheiterten Absprachen zwischen CDU und SPD, wonach in geheimer Wahl nicht SPD-Frau Beate Bröcker, sondern - sozusagen als lachender Dritter - der Linke Brüning als Sozialbeigeordneter hervorging - nach Trümpers Rechnung auch mit CDU-Stimmen (was die CDU bis heute heftig von sich weist). Trümper schäumte vor Wut, servierte zur Strafe den CDU-Mann Zimmermann ab und ließ sich stattdessen in gemeinsamer Sache mit den Linken seinen Parteifreund Koch zum 1. Stellvertreter und den Linken Brüning zum 2. Stellvertreter bestellen. Das aktuelle Vize-Duo ist Produkt eines Rachefeldzuges. Er soll nun ein Ende haben. Trümper versteht seine jetzigen Vorschläge als eine Art Rückkehr zur Normalität. Nebst Zimmermann wünscht er sich seinen Parteifreund Holger Platz, den Ordnungsbeigeordneten Holger Platz, als 2. Vize. Der Jurist führt bereits seit 2001 fachlich versiert das Dezernat und fuhr bei seiner Wiederwahl 2008 mit nur sechs Gegenstimmen ein ziemlich glanzvolles Ergebnis im Stadtrat ein.

Der Stadtrat fällt am 2. Oktober sein Urteil über Trümpers Vorschläge für die Neubesetzung seiner eigenen Stellvertreterposten.