Magdeburg l Das Technische Hilfswerk (THW) will das Unglücksboot noch mal von einem privaten Gutachter untersuchen lassen. Das sagte der THW-Bundespräsident Albrecht Broemme während der Einweihung der Gedenktafel für die beiden vor zehn Monaten auf der Elbe verunglückten Helferinnen am Mittwochabend in der Enckekaserne.

"Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen haben ergeben, dass kein menschliches Versagen vorlag", sagte Broemme während seiner Rede. Also müsse der Fehler woanders liegen. "Wir werden jetzt noch ein eigenes Gutachten in Auftrag geben, um herauszufinden, wie es zu dem tragischen Unglück kommen konnte", so Broemme weiter.

Zu der kleinen Gedenkfeier beim THW-Ortsverband in der Enckekaserne waren auch die Eltern der verunglückten THW-Helferin Jessica aus Magdeburg gekommen. Die gleiche Tafel wird in den kommenden Wochen auch im THW-Ortsverband Rüsselsheim (Hessen) angebracht, wo die zweite verunglückte Helferin Cora herkam. "Unsere Gedanken sind bei den Familien", sagte Albrecht Broemme.

Am 23. November 2013 war auf der Stromelbe bei einem Übungseinsatz des THW ein Boot gekentert. An Bord waren vier Menschen. Zwei Frauen, die 23-jährige Jessica vom Ortsverband Magdeburg sowie die 24-jährige Cora aus Rüsselsheim (Hessen), starben bei dem Unfall. In einer bewegenden Trauerfeier im Magdeburger Dom am 16. Dezember 2013 nahmen mehr als 800 THW-Helfer aus dem gesamten Bundesgebiet Abschied von Jessica und Cora. Anfang März dieses Jahres stellte die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren ein. Ein Fremdverschulden liege nicht vor, so die Begründung. Hoher Wellengang habe das Boot zum Kentern gebracht.

Dass der THW-Bundesverband nun ein eigenes Gutachten anfertigen lassen will, liegt unter anderem daran, dass dieser Bootstyp landauf, landab in mehreren THW-Ortverbänden zum Einsatz kommt. Diese Mehrzweckboote in Katamaranbauweise werden seit Jahren eingesetzt und sind für bis zu zehn Personen ausgelegt und können eine Tonne Gewicht zuladen. Das verunglückte Boot wurde laut THW unter anderem auf der Ostsee getestet. "Wenn kein Mensch einen Fehler gemacht hat, muss die Ursache für das Unglück woanders liegen", sagte Broemme zur Volksstimme.

Zum Zeitpunkt des Unglücks befand sich auf dem Boot ein 1000-Liter-Wassertank. Mit diesem Tank sollte der Transport einer Last simuliert werden. Laut Staatsanwaltschaft soll dieser Tank für das Kentern des Bootes jedoch nicht ursächlich gewesen sein. Ein Video von dem Unglück zeigt, wie sich das Boot in kürzester Zeit aufschaukelt und umkippt. Die beiden Helferinnen wurden unter das Boot gedrückt. Aus der Lage konnten sie sich nicht mehr befreien.

Das Unglücksboot soll nach der eingehenden Untersuchung wieder eingesetzt werden. Laut Broemme wird es aber einem anderen THW-Ortsverband übereignet. Das Magdeburger THW soll ein neues Boot bekommen. Voraussichtlich aber erst nächstes Jahr, so der THW-Präsident weiter.

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