Magdeburg l Altkleider sind längst ein sehr begehrtes "Wirtschaftsgut". Mit ihnen lässt sich vor allem auf Märkten in sogenannten Schwellenländern und Ländern der Dritten Welt ordentlich Geld verdienen. Es besteht ein weltweites Vertriebssystem, fast täglich verlassen Schiffsladungen mit gebündelten Altkleidern die deutschen Häfen in Richtung Südamerika und Afrika. Pro Tonne Altkleider werden auf dem deutschen Markt zwischen 400 und 600 Euro gezahlt. Am Beginn dieser "Handelskette" steht der Altkleider-Container. In einen Container passen rund 280 Kilogramm Altkleider.

In Magdeburg gibt es rund 380 Stellplätze, auf denen zusammen etwa 450 Altkleider-Container stehen. Und diese Stellplätze möchte ein Unternehmer aus Niedersachsen komplett übernehmen. Für eine entsprechende Konzession bietet er der Stadt jährlich 200000 Euro als Festbetrag an. Für ihn sei das ein "verlockendes" Angebot an die Stadt, denn über die normale Sondernutzungsgebühr, die die Stadt für die Containerstellplätze erhebt, sei deutlich weniger Geld für die Stadtkasse zu bekommen.

Rechtsstreit mit Unternehmen

Das Rathaus winkt ab. Eine genaue Aussage, ob die Offerte des niedersächsischen Unternehmers interessant sein könnte, wird nicht gemacht. Der Grund: mehrere Rechtsstreitigkeiten mit dem Altkleidersammler aus dem Nachbarland.

Der hatte, so Rathaussprecher Michael Reif, mehr als 100 Altkleider-Container illegal in Magdeburg aufgestellt. Einen Rechtsstreit in dieser Sache habe die Stadt gewonnen, einen habe das Unternehmen zurückgezogen, zwei weitere seien noch offen.

Stellt sich die Frage: Wenn ein privates Unternehmen viel Geld für die Magdeburger Altkleider bietet, dann ist damit offensichtlich Geld zu verdienen. Warum also steigt die Stadt nicht selbst in das Geschäft ein? Einen eigenen Abfallwirtschaftsbetrieb, der das Know-how dafür besitzt, hat die Stadt.

Dass die Stadt selbst Altkleider sammeln kann und darf, steht außer Frage, denn laut Kreislaufwirtschaftsgesetz sind Altkleider und Schuhe Wertstoffe, die dem öffentlichen Entsorgungsträger, hier der Stadt Magdeburg, überlassen werden müssen. Allerdings hat der Gesetzgeber einen kleinen Einschub in das Gesetz eingebaut. Wenn Abfälle (Altkleider etwa) einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden können, entfällt diese Überlassungspflicht an die Kommunen. Darum stehen an vielen Altkleider-Containerplätzen auch Sammelboxen von gemeinnützigen Organisationen, wie etwa DRK oder Malteser. Und auch gewerblichen Unternehmen kann die Sammlung von Altkleidern überlassen werden, "soweit überwiegende öffentliche Interessen dieser Sammlung nicht entgegenstehen". Damit sind also auch private Sammler zugelassen.

Das System mit einer Mischung aus privaten und gemeinnützigen Container-Aufstellern habe sich in Magdeburg seit vielen Jahren bewährt, und die Stadt sehe keine Veranlassung, dies zu ändern, erklärte sie im vergangenen Jahr auf eine Anfrage der Stadtrats-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Denn die hatte vorgeschlagen, dass die Stadt doch selbst das Altkleider-Geschäft übernehmen solle. Mit dem Erlös daraus könnte die Stadtkasse etwas aufgefüllt oder der Sozialhaushalt bedacht werden.

Große Unsicherheiten bei der Sammelmenge

Ein zweiter Grund, warum die Stadt das nicht für sinvoll hält, seien die Unwägbarkeiten, was die Menge der Altkleider, die in Magdeburg gesammelt werden können, angeht. Es gebe keine genaue Erhebung darüber und keine Transparenz über die Zusammensetzung, was jährlich in den Altkleidersammlungen lande. Denn neben der Container-Sammlung gebe es noch eine Vielzahl von anderen Sammlungen, etwa durch das Verteilen von Sammelkörben an Haushalte. Die Erfassung der Sammelmengen sei Aufgabe des Landesverwaltungsamtes. Das ermittele diese Mengen aber nicht und lasse sich von den Unternehmen und Organisationen, die Altkleider sammeln, auch deren Mengen nicht mitteilen. Ohne genaue Zahlen zu kennen, könne die Stadt nicht planen und investieren.

Die Bürger würden das Angebot der Sammler annehmen und die Unternehmen und Organisationen ihre Verpflichtungen, was Sauberkeit und Sicherheit angehe, einhalten. Aber ganz traut man im Rathaus der Selbstregulation des Magdeburger Altkleidermarktes dann doch nicht. Darum wurde auch eine Arbeitsgruppe "Gewerbliche Sammlung" eingerichtet, die das Ganze im Auge behalten soll, und man werde verstärkt Containerplätze und die Legalität der Sammler überprüfen. Die Stadt tut gut daran, denn gerade in Großstädten tauchen immer mehr illegale Sammelbehälter auf. Der Markt ist umkämpft.