Magdeburg l Die Antworten die Lothar Herwig auf die Reporterfragen gibt, sind genauso knapp, wie manche seiner Werke kindlich-naiv wirken. Doch gerade dieses rohe, ungeschliffene Schaffen von künstlerischen Autodidakten vorrangig mit einer geistigen Behinderung macht die als "Art Brut" bzw. Outsider-Kunst bekannte Stilrichtung der modernen Kunst aus. Werke, wie die von Herwig, sind in Kunstkreisen schwer gefragt.

Der 53-Jährige arbeitet normalerweise in einer Werkstatt der Lebenshilfe und fertigt dort Gummiringe für die Automobilindustrie. Doch von Montag bis Mittwoch frönt er nach getaner Arbeit seinem liebsten Hobby, der Kunst. Im Atelier des Kunstvereins "Zinnober" geht er darin ganz auf. Im Lauf der mittlerweile 17 Jahre, in denen er dort aktiv ist - Herwig gehörte 1997 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins für behinderte und nicht behinderte Künstler - hat sich eine stattliche Sammlung an Werken angehäuft.

Zeit also für eine Werkschau, haben sich Lothar Herwig und der Vereinsvorsitzende Wolfram Stäps gedacht. Derzeit sichten sie gemeinsam, welche Bilder gezeigt werden sollen. Stäps rahmt die Werke, die zwischen kindlicher Naivität und künstlicherem Strich changieren. Bis zum 13. November soll die Ausstellung fertig sein und um 18 Uhr mit einer Vernissage stilgerecht eröffnet werden.

Was ihn dort erwartet, weiß Lothar Herwig noch nicht so recht. Aber er ist schon sehr gespannt, haben sich doch bereits seine Freunde und Bekannten aus dem Wohnheim angekündigt. "Ein wenig Muffensausen" bekommt er aber schon, was die anderen wohl zu seinen Bildern sagen werden, gibt er zu.

Bei seinen Motiven ist er offen für alles, hat nach eigenem Bekunden kein Lieblingsobjekt. Dennoch fallen viele Blumen auf seinen Bildern auf, das Schiff ist ebenfalls häufig zu sehen. U.a. auch auf den Linolschnitten, die er selbst angefertigt hat. "Lothar hat eine Vielzahl von verschiedenen Techniken gelernt", erzählt Wolfram Stäps. Derzeit übt er seit einem halben Jahr mit Malerin Theresia Sieler die Technik des Aquarellmalens und erweist sich auch hierbei als gelehriger Schüler.

Lothar Herwig ist der erste der "Zinnober"-Künstler, der eine eigene Soloausstellung zusammenstellt. Gemeinschaftlich waren die Werke der derzeit zehn Künstler bereits in einer Vielzahl von öffentlichen Einrichtungen der Stadt zu sehen. Ziel des Vereins ist keine reine Beschäftigung, betont Wolfram Stäps, sondern die Förderung junger Talente. Die zweite Soloschau steht auch bereits fest. Lisa Schaumburg malt schon fleißig für die nächste Ausstellung im "Zinnober"-Atelier im kommenden Jahr.

Mehr unter www. zinnober-kunstverein.de