Magdeburg l "Wach auf, der du schläfst ..." - mit diesen Worten hat Waltraud Zachhuber im Oktober 1989 die Montagsgebete im Dom eröffnet, und auch diesen Donnerstagabend hat die frühere Superintendentin wieder diese Bibel-Wort an den Anfang des Gottesdienstes gestellt.

Es war ein Abend des Erinnerns an die Tage der friedlichen Revolution von 1989, so wie Magdeburg sie damals erlebt hatte. Zeitzeugen kamen zu Wort und berichteten, was sie am 9. Oktober 1989 beim Gang in den Dom und bei der Teilnahme am Montagsgebet empfunden und erlebt hatten. Wie die Hoffnung und der Wille zur politischen Veränderung langsam aber unaufhaltsam die Angst besiegt hatte.

Domprediger Giselher Quast erinnerte, wie damals "die Hetze gegen die Montagsgebete durch die Betriebe in Magdeburg ging", und die Menschen ausdrücklich davor gewarnt wurden, sich diesen "konterrevolutionären Kräften", mit denen es keine gutes Ende nehmen würde, anzuschließen. "Und draußen galt auch noch der Schießbefehl!" Allerdings ließen sich über 4500 Magdeburgerinnen und Magdeburger davon nicht mehr einschüchtern und kamen am 9. Oktober 1989 in den Dom.

So auch Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Türmper, der in seinem Zeitzeugenbericht freimütig darüber erzählte, dass er eigentlich nicht in den Dom gehen wollte. "Meine damalige Frau, die leider schon verstorben ist, hat mich dazu gebracht." Er habe sie eher gewarnt, dass man doch an die kleine Tochter denken müsse. Als sie sagte, sie werde auf jeden Fall hingehen, "da war klar, dass ich sie da nicht allein hingehen lasse. Und im Dom habe ich unglaubliche Dinge gehört, die vorher nie so offen in der DDR ausgesprochen worden waren." Und auch Trümper hatte die Angst erlebt "was jetzt passieren wird". Aber ihm sei auch klar geworden: "Jetzt gibt es keinen Weg mehr zurück." An den Anfang seiner Rede stellte Trümper aber eine "Herzensangelegenheit": "Ich danke dem Ehepaar Quast und Frau Zachhuber dafür, was sie 1989 für uns getan haben und dass sie auch diesen Gottesdienst 25 Jahre später ausrichten." Die rund 700 Gottesdienstteilnehmer schlossen sich diesem Dank mit ehrlichem Applaus an.

Waltraud Zachhuber spannte in ihren Erinnerungen dann einen Bogen aus dem Herbst 1989 in die Gegenwart und die Zukunft. "Wie damals müssen wir uns fragen, wo auch heute wieder ein Weckruf notwendig ist und wo wir ,aufstehen` müssen." Etwa bei Fremdenfeindlichkeit, Armut, Kriegen und Ungerechtigkeit. "Wir dürfen nicht nachlassen, den aufrechten Gang zu gehen", mahnte Waltraud Zachhuber den "Geist der friedlichen Revolution von 1989" an.

Nach dem Gottesdienst, in dem auch die Lieder der Montagsgebete von 1989 gesungen wurden, zogen die Teilnehmer mit brennenden Kerzen in der Hand aus dem Dom zum Bürgerdenkmal, um an einer abschließenden Andacht teilzunehmen.

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