Magdeburg l "Schick sieht er ja aus", meinte eine Rothenseerin am Ende der Diskussion angesichts des schwarzen Käfers mit den weißen Sprenkeln und filigranen Fühlern. Und auch Dr. Ursel Sperling, Dezernatsleiterin in der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, erklärte am Anfang ihres Vortrags in der vollbesetzten Aula der Rothenseer Schule: "Es ist eigentlich ein wunderschönes Tier." Und doch bedeutet der Asiatische Laubholzbockkäfer, kurz ALB, tiefgreifende Einschnitte für viele Rothenseer.

Wie bereits angekündigt, erhalten in der kommenden Woche alle Grundstücksbesitzer in einem ungefähren 100-Meter-Radius rund um die erste und bislang einzige Fundstelle des eingeschleppten Schädlings in der Badeteichstraße den Fällbescheid. Bis Ende Oktober wird der angeordnete Kahlschlag an den Laubbäumen dort vollzogen - und Rothensee weniger grün sein.

"Der Baum muss weg", war Sperlings Antwort auf viele besorgte Nachfragen, "auch wenn es mir im Herzen wehtut." Der Käfer müsse durch Aushungern ausgerottet werden und das geht nur, indem man ihm die "Nahrung" wegnimmt. Kompromisse ausgeschlossen. "Sie müssen es dulden, aber nicht bezahlen", ergänzte Ursel Sperling. Das Land übernimmt die Fällkosten im sechsstelligen Bereich. "Ich wünsche uns allen, dass es die einzige Fällaktion bleibt", sagte sie.

Dann erklärte sie, wie es weitergeht. Derzeit sind zehn Waldarbeiter in der Zwei-Kilometer-Quarantänezone unterwegs, um ein Baumkataster zu erstellen. Anschließend wird in einem Bereich 500 Meter um die Fundstelle jeder einzelne Laubbaum ganz genau angeschaut. Im weiteren Umkreis werde auch nur mit dem Fernglas geschaut. "Das haben wir geübt", versicherte Sperling. Hintergrund ist, dass der ALB am ehesten in der Baumkrone zu entdecken ist.

Bleibt es bei dem einzigen Fund, ist der Spuk in vier Jahren (zwei Entwicklungszyklen des Käfers) vorbei. Denn die fingerdicken Larven des Käfers fressen sich zwei Jahre durch den Stamm, bis sich der fertige Käfer durch die Rinde nach außen bohrt. "Der ist besser als jede Bohrmaschine", sagte Sperling. Dann bleibt er hauptsächlich am Wirtsbaum, weil "er nicht gern fliegt". Am Baum in der Badeteichstraße wurden 17 Käfer abgesammelt, die selbst beim Fällen nicht die Flucht ergriffen, erzählte sie.

Zuguterletzt appellierte Klaus Breitenstein, auf dessen Grundstück der Käfer gefunden wurde, dass es nicht "sein Käfer" sei: "Es hätte jeden treffen können."