Magdeburg l Letzte Hoffnung für die Werder-Linden? Ein Gutachten der Bündnisgrünen soll Aufschluss über den tatsächlichen Zustand der Bäume entlang der Zollstraße geben; ein neuer Vorstoß in Sachen Linden-Rettung.

Das Gutachten soll in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Das bestätigte am Dienstag auch die Geschäftsstelle der Bündnisgrünen auf Volksstimme-Nachfrage. Genaue Details zum Gutachten wolle man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekanntgeben. Tatsache ist aber, dass die Gutachterin die Argumente der Magdeburger Stadtverwaltung zur Fällung der Werder-Linden nicht nachvollziehen kann.

Hoffnung setzt auch Christine Meier in die Aussagen der Gutachterin. Die Werderanerin konnte an der Begutachtung der Linden teilnehmen. Erneut wendete sie sich am Montagabend daher an die Teilnehmer der Gemeinwesenarbeitsgruppe (GWA) Werder und bat um Unterstützung für den Erhalt der Linden. "Die jetzigen Pläne zur Fällung der 97 Linden sind nicht alternativlos", erklärte Christine Meier. Aus ihrer Sicht könnten einige Bäume trotz der umfangreichen Baumaßnahme erhalten werden. Zudem wies sie auf die Umweltausschusssitzung im August hin. Bei dieser Sitzung räumte die Stadtverwaltung ein, dass es kein Baumgutachten über den Zustand der einzelnen Linden gebe. Auch kritisierte die ehemalige GWA-Sprecherin des Werders, dass die ehrenamtliche Arbeitsgruppe unzureichend an den Planungen zur Hochwasserschutzmauer beteiligt wurde. Die beiden Bürgerversammlungen seitens der Stadt seien lediglich Informationsveranstaltungen gewesen, bemängelte die Werderanerin.

Doch Christine Meier fand kein Gehör bei ihren GWA-Mitstreitern. Mehrmals machte GWA-Sprecherin Ines Urmoneit Christine Meier darauf aufmerksam, dass die Teilnehmer der Gemeinwesenarbeitsgruppe im August und September beschlossen haben, dass sich die GWA-Gruppe nicht für den Erhalt der Linden einsetzt, sondern die Pläne der Stadt befürwortet.

Bereits im August forderte Christine Meier die GWA-Teilnehmer auf, einen Antrag an die Stadtverwaltung zu stellen, der vorsah, dass für jede zu fällende Linde ein eigenes Gutachten zum Zustand des Baumes veröffentlicht und der weitere Prozess der Planung und Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahme in der Zollstraße bis zur Verfügbarkeit und Auswertung dieser Gutachten eingefroren wird. Von den 15 Anwesenden der GWA-Sitzung entschieden sich damals 8 Teilnehmer gegen das Schreiben. Ines Urmoneit verwies zudem darauf, dass auch im September über den Erhalt der Linden abgestimmt wurde. Die anwesenden Werderaner sprachen sich mehrheitlich gegen ein Schreiben an den Oberbürgermeister zur Linden-Rettung aus. Eine erneute Abstimmung lehnte die GWA-Sprecherin am Montagabend ab. Unterstützt wurde sie dabei von den anderen fünf Teilnehmern der GWA.

Auch SPD-Stadtrat Jens Rösler machte deutlich, dass der Zug um den Erhalt der Linden nach der Stadtrat-Debatte abgefahren sei. Nach langer Diskussion hatte der Stadtrat Anfang September beschlossen: Die alten Linden an der Zollstraße werden für anstehende Bauarbeiten zum besseren Hochwasserschutz gefällt. Ein Antrag von Grünen und Linken/Gartenpartei für den Erhalt der 97 Werder-Linden wurde mehrheitlich abgelehnt. Dennoch ließen die Bündnisgrünen in den vergangenen Wochen ein Baumgutachten erstellen.