Magdeburg l Die Dämmung eines Schwimmhallendaches ist eine komplizierte Angelegenheit, denn es muss eine sogenannte Dampfsperre eingebaut werden. Das ist eine Konstruktion aus Kunststoff-Folien und Dämmmaterial, die verhindert, dass Wasserdampf aus einem Raum nach außen gelangen kann. Der Grund: Der Wasserdampf kondensiert in der kälteren, von außen kommenden Luft zu Wasser, das sich wiederum im Dämmmaterial sammelt und zum Beispiel gesundheitsschädlichen Schimmelpilzbefall verursachen kann. In einer Schwimmhalle gibt es richtig viel feuchte aufsteigende Luft, folglich muss die Dampfsperre dort perfekt sein.

In der Diesdorfer Schwimmhalle ist sie es nicht. Wie die Stadt mitteilte, müssen die Dachdecker im kommenden Jahr sogar das komplette Dach noch einmal abdecken und die Wärmedämmung nebst Dampfsperre neu aufbauen. Der Grund: Vom Dach der Halle tropft es.

Die Dampfsperre ist nicht dicht, besagtes Kondenswasser sammelt sich im Dämmstoff und sucht sich seinen Weg nach unten. Das hat dazu geführt, dass die Ostwand der Schwimmhalle feucht ist und dass darum sogar die dortigen Räume geschlossen werden mussten. Auch habe das zuständige Landesamt für Verbraucherschutz vorsichtshalber die Hallenluft und die ausgetretenen Flüssigkeiten untersucht, konnte allerdings Entwarnung geben. Zwar konnten bei den Messungen, die vier Wochen gedauert haben, verschiedene chemische Verbindungen in Luft und Flüssigkeit nachgewiesen werden, diese seien aber für Neubauten typisch und die Konzentrationen im Innenraum der Halle seien als normal einzustufen. "Es gibt keine Gefährdung der Badegäste durch die Hallenluft. Zudem wird sichergestellt, dass ein direkter Hautkontakt durch abtropfendes Kondensat vermieden wird, weshalb die betroffenen Bereiche an der Ostwand vorsorglich abgesperrt wurden und auftretende Lecks sofortig beseitigt werden", teilte Rathaussprecher Michael Reif auf Volksstimme-Nachfrage mit. Entdeckt worden war der Schaden im Sommer. Weil zu viel Feuchtigkeit auftrat, hat man die Lichtkuppel des Dachs neu abgedichtet und das Dach an einigen Stellen geöffnet. Dabei wurde dann die desolate Dampfsperre entdeckt.

Der Schaden soll nun im kommenden Jahr beseitigt werden. Geplant ist, das Dach in mehreren Etappen zu öffnen und neu aufzubauen. Das soll aber während des normalen Hallenbadbetriebes passieren, eine vorübergehende Schließung sei nicht geplant, so Michael Reif. Die Kosten dafür könnten sich auf einen sechsstelligen Eurobetrag belaufen. Allerdings lägen noch keine konkreten Angebote für die Bauarbeiten vor.

Das Dachdecker-Unternehmen, das 2011 offensichtlich unsauber gearbeitet hatte, kann die Stadt nicht mehr in Regress nehmen - das Unternehmen ist pleite und hat längst Insolvenz angemeldet. "Der Schaden wurde aber der Versicherung des Planungsbüros im Zuge der gesamtschuldnerischen Haftung des Planers gemeldet", sagte Michael Reif. Soll heißen: Die Stadt will sich das Geld für die Sanierung auf jeden Fall wiederholen.

Die Diesdorfer Schwimmhalle war von März 2010 bis November 2011 aufwendig saniert und modernisiert worden. 7,9 Millionen hatte das Ganze damals gekostet. Möglich wurde das Projekt durch das Konjunkturpaket II, aus dem 3,5 Millionen Euro flossen.