Christian Steinebach ist Deutschlandchef von Sitel. Er beantwortet Fragen von Redakteur Martin Rieß zu den Expansionsbestrebungen des Unternehmens in Magdeburg, zum Mindestlohn und der Zukunft der Branche.

Volksstimme: Anfang des Jahres ist Ihr Unternehmen in Magdeburg mit einer neuen Niederlassung an den Start gegangen. Hat sich das gelohnt?

Christian Steinebach: Wir sind durchaus zufrieden. Unser erster Kunde, mit dem wir in Magdeburg an den Start gegangen sind, kommt aus dem Telekommunikationsbereich. Für diesen Großkunden sind heute mehr als 150 Mitarbeiter im Endkunden-Service im Einsatz. Und jetzt steht der Aufbau von Strukturen für einen weiteren Großkunden aus der Medienbranche auf dem Plan. Das bedeutet, dass wir noch einmal knapp 200 Mitarbeiter benötigen.

Volksstimme: Als Sie nach Magdeburg kamen, steckte ein Mitbewerber gerade in argen Schwierigkeiten. Irgendwann wird es sicher schwierig, auch in unserer Region noch ausreichend Mitarbeiter zu finden. Wie hat sich die Situation in der Zwischenzeit verändert?

Wir haben mit der Region Magdeburg kein Neuland betreten, sondern haben in Sachsen-Anhalt in den letzten Jahren viele gute Erfahrungen gemacht, dabei auch hervorragend mit Politik und Wirtschaft kooperiert. So ist das auch jetzt wieder. Magdeburg ist Universitätsstadt und verfügt über eine attraktive demografische Struktur. Das große Einzugsgebiet bietet für Sitel genügend Möglichkeiten zur Gewinnung qualifizierter und gut ausgebildeter Mitarbeiter. Dennoch ist es auch für einen Weltmarktführer wie uns eine Herausforderung, kurzfristig 180 neue Stellen zu besetzen, ohne Frage.

Aber welcher Callcenter-Dienstleister kennt das nicht? Unerwartete Veränderungen in der Kundenmatrix, ein neuer Auftrag - das stellt auch einen Weltmarktführer wie uns vor besondere Herausforderungen. Aber wir haben spannende Projekte, tolle Kunden und für den einzelnen Mitarbeiter Perspektiven der Weiterentwicklung.

Und neuen Mitarbeitern bietet Sitel einen sicheren Arbeitsplatz in Festanstellung. Die Tätigkeit kann flexibel in Teilzeit oder auch in Vollzeit ausgeübt werden. Neben familienfreundlichen Arbeitszeiten bietet das Unternehmen eine attraktive Vergütung mit Zusatzleistungen.

Um auf die veränderte Ausgangslage zurückzukommen: Der Markt ist ständig in Veränderung. Unternehmen lagern die Kundenbetreuung zu uns aus, andere holen sie zurück ins Unternehmen. Da gibt es immer Bewegung. Und jetzt spielt der Mindestlohn natürlich auch eine Rolle.

Wie sehen Sie den Mindestlohn, und besteht nicht die Gefahr, dass Callcenter ins Ausland abwandern?

Den Mindestlohn begrüßen wir. Sitel zahlt bereits heute schon Löhne über dem Branchendurchschnitt. So kann es jedoch nun kein Preisdumping mehr über die Arbeitslöhne geben. Das war bisher viel zu oft der Fall. Eine Abwanderung der Callcenter wie in den englisch-, französisch- oder spanischsprachigen Ländern befürchte ich nicht. Und zwar aus dem Grund, weil es in Ländern mit niedrigem Lohnniveau eine begrenzte Anzahl an Menschen gibt, die die deutsche Sprache ausreichend für den Job beherrschen. Das ist bei uns die gleiche Situation wie in den Niederlanden und den skandinavischen Ländern. In einem bestimmten Maß wird es Callcenter für den deutschen Markt auch im Ausland geben - aber das ist keine neue Situation.

Oft ist die Entscheidung für einen Standort auch nicht allein vom Lohngefüge abhängig, sondern auch von den Kompetenzen der Mitarbeiter. Das reicht vom Verständnis für die Lebenssituation der Endkunden bis hin zu fachlichen Fragen.

Ein Beispiel: In unserem Konzern betreuen wir auch Fachwerkstätten für Autos. Da haben wir gezielt nach Kfz-Mechatronikern gesucht, die die Beratung übernehmen. Deutschsprachige Kfz-Mechatroniker in ausreichender Zahl an einem Standort im Ausland zu finden - das wäre einfach nicht möglich.

Wie sieht der Markt der Zukunft aus?

Die Branche muss sich auf die Kunden einstellen. Das bedeutet, dass wir mehr und mehr über Plattformen wie die sozialen Netzwerke arbeiten, dass also der Prozess vom reinen Callcenter hin zum Kommunikationsdienstleister fortgesetzt wird. Schon jetzt umfasst die Kundenbetreuung oft mehr als nur die Arbeit mit dem Telefon, sondern eine ganze Prozesskette.

Vielleicht bedeutet das auch, dass wir mehr öffentlich sichtbare Aufgaben unserer Kunden übernehmen. Wichtig wird es dann aber beispielsweise häufig sein, dass wir die Endkunden, sobald es um den Austausch sensibler Daten geht, in einen geschützten Bereich leiten - was wir übrigens heute bereits können und tun.

Neben der Entwicklung und Umsetzung solcher Strategien wird es mehr denn je darum gehen, unsere Kunden hinsichtlich Art und Umfang ihres Kundenservice und der daraus resultierenden Prozesse und Erfordernisse zu beraten.

Warum hatten Sie sich seinerzeit eigentlich für Magdeburg entschieden?

In Sachsen-Anhalt waren wir bereits mit drei Standorten präsent, bevor wir nach Magdeburg kamen - wir haben zwei Standorte in Dessau mit insgesamt 1100 Mitarbeitern und einen Standort in Wittenberg mit rund 650 Mitarbeitern. Mit dem Bundesland Sachsen-Anhalt und der IMG Investitions- und Marketinggesellschaft haben wir insgesamt gute Erfahrungen gemacht. Heute beschäftigen wir als internationales Unternehmen in Sachsen-Anhalt nahezu 2000 Mitarbeiter. Und wir wachsen weiter.