Magdeburg l So manche Liebesgeschichte nahm hier ihren Anfang und es gibt wohl kaum einen Magdeburger Uni-Absolventen, der hier nicht wenigstens einmal gefetet hat. Über die Jahrzehnte waren es Tausende Studierende, die in der Baracke Ablenkung vom Alltag fanden. Heute feiert der älteste Studentenclub der Stadt mit ehemaligen Mitarbeitern und Mitbegründern seinen 50. Geburtstag - und scheint kein bisschen in die Jahre gekommen. Längst ist aus dem einstigen FDJ-Studentenclub eine GmbH geworden, die die frühere Bauarbeiter-Baracke auf dem Campus gepachtet hat und immer dienstags und sonnabends für Tanzfreudige öffnet.

"Ich find` es schön, dass die Baracke noch existiert", berichtet Michael Wetterhahn. 1944 geboren, bekam er doch zu Beginn seines Studiums an der Technischen Hochschule "Otto von Guericke" die Aufgabe, den Klub ins Leben zu rufen. Erste Gespräche gab es bereits 1963. "Aber wie eine Klubarbeit organisieren, wenn man keine Klubräume hat?", erinnert er sich zurück. Den größten Hörsaal der Hochschule, er befand sich am Krökentor, wählte Michael Wetterhahn aus und zeigte dort den Remarque-Film "Im Westen nichts Neues". Der Eintrittspreis betrug 1,05 Ost-Mark. Pfennige seien der obligatorische Kulturbeitrag gewesen, der an staatliche Stellen abzuführen war. Im Vorverkauf wurde nicht einmal ein Drittel der Plätze belegt. Am Veranstaltungsabend jedoch rannten ihm die Studenten regelrecht die Bude ein. Anschließend an die erste Vorstellung musste Wetterhahn gleich noch eine zweite anhängen. Und eine dritte. Und nach Abzug der Kosten für Filmvorführer, Filmausleihe und Transport hatte er einen kleinen Grundstock für die folgende Klubarbeit. Aber nicht nur das. An diesem Abend fand Wetterhahn auch Mitstreiter, die sich künftig für den Klub engagieren wollten und in die ehemalige Bauarbeiter-Baracke einzogen.

"Ein Mitglied unserer Klubleitung war die spätere CDU-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl, Dagmar Schipanski."

Der Klub stellte bald schon Übungsräume für Uni-Bands zur Verfügung, teilweise sogar Technik. Weitere Einnahmen gab es durch den Verkauf von Getränken: 55 Pfennig zahlten Wetterhahn und sein Team für den Einkauf von einem Liter Bier. Für 1,60 Ost-Mark wurde er weiterverkauft. "Ein Mitglied unserer Klubleitung war die spätere CDU-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl, Dagmar Schipanski", weiß der Gründervater der Baracke.

Das Prinzip, Studenten arbeiten für Studenten, hat sich bis heute nicht gewandelt. Auch im heutigen Team stehen an der Garderobe und hinter den Tresen Studierende. Selbst die Chefs der Baracke sind ehemalige Studenten, die mit dem Club großgeworden sind, wie Geschäftsführer Torsten Otte berichtet. Die Umwandlung in die GmbH kam nach der Wende - am 1. April 1991. Und hätten sich die einstigen Studierenden nicht entschlossen, den Club als Gesellschaft weiterzuführen, so wäre die Baracke wohl geschlossen worden.

Ein Spaßclub ist das inzwischen mehrfach ausgebesserte Gebäude aber nur für das Publikum. "Wir müssen auch wirtschaftlich arbeiten", sagt Torsten Otte. Und das, obwohl dennoch die Philosophie "studentischer Preise" beibehalten wird. Und das scheint aufzugehen. "Dass das Gebäude so stehen bleibt, war nie geplant", erzählt er. Aber nach 50 Jahren im Zentrum der Uni scheint ein Wechsel an einen anderen Ort unvorstellbar. Die Baracke als der wohl älteste Studentenclub der Stadt will nicht umziehen. "Das wäre Blödsinn. Und das Konzept kann man auch nicht exportieren", sagt Otte.

Während früher in dem Club auch viele Live-Bands auftraten, bieten die Baracke-Macher heute überwiegend Disko an - Musik kommt von den Plattentellern. Früher jedoch seien "fast alle da gewesen". Lokale Größen wie Frank Hengstmann oder die Kellergeister, aber auch Bands wie Silentsong oder Engerling standen dort auf der Bühne. Zuweilen finden bekannte Persönlichkeiten in der Baracke auch Anonymität. "Es kommt schon mal vor, dass wir Bands, die in Magdeburg spielen, nach ihrem Auftritt in den Club schleusen", verrät er. Wer genau, das bleibt sein Geheimnis. Schließlich sollen die Stars hier auch einmal in Ruhe feiern können. Ein Beispiel lässt sich Otte dann doch noch entlocken: Nach einem Besuch des Magdeburger Handballstars Stefan Kretzschmar habe Otte einen Anruf eines großen Boulevard-Blattes erhalten. Der Journalist wollte wissen, mit wem der einstige SCM-Star vor Ort gewesen sei. Bei Otte war der Journalist da aber an der falschen Adresse. Und das gilt wohl bis heute.

Apropos: Am heutigen Freitag ist der große Tag. Es feiern Ehemalige als geladene Gäste den 50. Geburtstag des Clubs. Dann wird sicher auch die ein oder andere Anekdote herausgekramt, über die fernab vom öffentlichen Trubel geschmunzelt werden kann.

   

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