Magdeburg l Obwohl es noch drei Monate bis zum erwarteten Neonaziaufmarsch in Magdeburg sind, hat das Netzwerk "BlockMD" bereits mit der Organisation des Protestes begonnen. Am 16. Januar jährt sich die Bombardierung Magdeburgs zum 70. Mal. Traditionell rufen Neonazis deutschlandweit rund um diesen Tag zum Trauermarsch in Magdeburg auf. "Wir rechnen in diesem Jahr mit besonders vielen Teilnehmern", sagte Paula Grobbecker, Sprecherin des Netzwerkes "BlockMD", dem sich neben vielen anderen unter anderem die Grünen, Linken, SPD und die Gewerkschaften DGB und Verdi angeschlossen haben.

Unklar ist allerdings, wann der Neonazi-Marsch im nächsten Jahr stattfinden wird. Bislang liegt noch keine Anmeldung vor. Als Termine kommen der 16. und der 17. Januar in Betracht. "Wir müssen die zivilgesellschaftlichen Anstrengungen gegenüber den letzten Jahren verdoppeln", heißt es in einer Mitteilung des Netzwerkes. "Wir brauchen etwa 5000 Teilnehmer, um den Aufmarsch erfolgreich blockieren zu können", schätzt Grobbecker, die auch Referentin des Landesvorstandes der Grünen in Sachsen-Anhalt ist. Das Bündnis kündigte an, bundesweit für die Blockade in Magdeburg werben zu wollen.

In diesem Jahr hatte es nach der Demonstration viel Wirbel gegeben. Von Seiten des Bündnisses hieß es im Januar, dass dank des Einsatzes vieler Gegendemonstranten es erstmals gelungen sei, "die Logistik der Nazis effektiv zu stören, stark zu verzögern und den Aufzug der Nazis zu spalten". Das sei ein wichtiger Schritt gewesen, den Naziaufmarsch künftig gänzlich zu verhindern, hieß es damals. Eine Diskussion war im Januar allerdings dennoch entbrannt. Das Bündnis warf der Polizei vor, dass Gegendemonstranten "massiv und gewalttätig daran gehindert" worden seien, an den angemeldeten "Meilensteinen der Demokratie" teilzunehmen. Dem Nazi-Aufmarsch sei "höchste Priorität eingeräumt" worden, so die Darstellung von "BlockMD". Die Polizei warf den Gegendemonstranten hingegen vor, zu gewalttätigen Protesten aufgerufen zu haben.

"Die Verantwortung liegt bei Innenminister Holger Stahlknecht", sagte Grobbecker zur Volksstimme. Man erwarte, dass friedlicher Protest zugelassen werde. Außerdem dürfe keine Neonaziroute genehmigt werden, die an einem Asylbewerberheim oder dem jüdischen Friedhof vorbeiführe, so Grobbecker weiter.

Überraschend deutlich distanzierte sich das Netzwerk am Rande des Blockadetrainings von "Magdeburg nazifrei" mit dem Hinweis, dass man auf bürgerlichen Protest setzen wolle. Bereits im Januar 2013 hatte es tiefe Risse zwischen dem "Bündnis gegen Rechts" und "Magdeburg nazifrei" gegeben. Damals warf Ordnungsbeigeordneter Holger Platz dem Bündnis vor, sich nicht klar von Gewalttätern zu distanzieren. "Wir wollen unseren Protest auf breite zivilgesellschaftliche Schultern stellen", sagt Grobbecker vom Netzwerk "BlockMD". Zu den Unterstützern dieser Idee zählt neben den Landtagsabgeordneten Wulf Gallert (Linke) und Claudia Dalbert (Grüne) unter anderen die Grüne Europaabgeordnete Ska Keller.