Magdeburg l Die Suche nach einem Ausbildungsplatz ist in Sachsen-Anhalt weniger schwierig als noch vor einigen Jahren - die Volksstimme berichtete. Auch der Arbeitsmarktbezirk Magdeburg, zu dem neben der Landeshauptstadt auch die Landkreise Börde und Jerichower Land gehören, hat einen gravierenden Wandel erfahren - dies geht aus dem Bericht der Agentur zum neuen Ausbildungsjahr hervor.

Im Berufsberatungsjahr 2013/2014 hat die Agentur für Arbeit Magdeburg demnach 2848 Ausbildungsbewerber. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 2818 junge Menschen. Die Zahl der Bewerber stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent an. Dies hängt unter anderem mit einem leichten Anstieg an Schulabgängern zusammen. Von diesem Zuwachs kommt allerdings nur ein Teil auf dem Ausbildungsmarkt an: Viele Jugendliche entscheiden sich gegen eine Ausbildung und stattdessen für ein Studium an einer Hochschule oder Universität.

Auf jeden Bewerber kamen 0,93 Ausbildungsstellen

Matthias Kaschte, Vorsitzender der Agentur für Arbeit in Magdeburg, sagt: "Die Relation zwischen gemeldeten Ausbildungsstellen und Bewerberinnen und Bewerbern ist im Agenturbezirk Magdeburg wie schon in den vergangenen Jahren nahezu ausgeglichen." Rein rechnerisch kamen auf jeden Bewerber 0,93 Ausbildungsstellen. "Trotz dessen sind 62 junge Menschen im Bezirk der Agentur für Arbeit Magdeburg noch auf Lehrstellensuche", bilanziert Matthias Kaschte. Derzeit laufe die Nachvermittlung, um auch diesen jungen Menschen eine passende Ausbildungsstelle zu vermitteln.

Ebenfalls rein rechnerisch gebe es für jeden einen Platz: Der Arbeitgeber-Service von Agentur und Jobcentern hatte Ende September noch 74 freie Stellen für Lehrlinge im Angebot. Knackpunkt: Für viele Ausbildungsberufe sind Fertigkeiten der Azubis erforderlich, die ein Teil der Bewerber nicht erfüllt. Neben den schulischen Leistungen berichten Ausbildungsbetriebe oft von fehlender Motivation und fehlenden sozialen Kompetenzen.

Auch wenn für jeden ein Ausbildungsplatz vorhanden wäre - die Zahl der angebotenen Stellen ist binnen Jahresfrist gesunken. Der Arbeitgeber-Service hatte insgesamt 2343 betriebliche Ausbildungsstellen im Angebot - das sind 12,2 Prozent oder 327 Stellen weniger als im Vorjahr. Hinzu kamen 281 außerbetriebliche Berufsausbildungsstellen.

Die Mehrheit der Bewerber wurde in eine Berufsausbildung vermittelt. Einige Bewerber haben einen anderen Weg gewählt. Etwa 14 Prozent entschieden sich letztendlich für einen höheren Schulabschluss oder ein Studium. 79 junge Menschen treten ein Freiwilliges Soziales Jahr, den Bundesfreiwilligendienst oder den freiwilligen Wehrdienst an. Weitere 2,4 Prozent der Bewerber benötigen jedoch noch intensivere Unterstützung vor der Ausbildungsaufnahme und werden deshalb mit berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen und Praktika oder Einstiegsqualifizierung gefördert, um sie für einen späteren Ausbildungsstart fit zu machen.

Schon in der Schule die individuellen Talente fördern

Der in den vergangenen Jahren zu beobachtende demografisch bedingte Bewerberrückgang, aber auch die zunehmende Diskrepanz zwischen den Berufswünschen der Bewerber und den Anforderungen der Ausbildungsbetriebe stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, so die Arbeitsagentur Magdeburg. "Jugendliche müssen so früh wie möglich bei der Berufsorientierung unterstützt werden, um die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu reduzieren. Das Thema Berufsorientierung sollte die Kinder und Jugendlichen bereits in der Schule ständig begleiten, um ihre individuellen Talente zu fördern", sagt Matthias Kaschte.

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