Magdeburg/Münster l Kai Perret, seit 2003 Zoodirektor in Magdeburg, will der Stadt den Rücken kehren. Bereits im Frühjahr 2015 soll der 49-Jährige die Leitung des Allwetterzoos Münster übernehmen. Im Münsteraner Zoo-Aufsichtsrat ist die Personalie Perret bereits durch. Heute entscheidet abschließend der Münsteraner Stadtrat über Perrets Bestellung zum neuen Zoochef. Nach intensiver Auslese unter einem größeren Bewerberfeld und fast einhelliger Aufsichtsratsempfehlung für Perret (eine Gegenstimme) gilt der Ratsentscheid als Formalie.

Für Magdeburger kommt die Nachricht einem Paukenschlag gleich. Perret führt die Geschicke des hiesigen Zoos seit 2003 und steckt nach jahrelanger Vorbereitung und heftigen Erweiterungsdebatten mitten im kompletten Um- und Ausbau der Anlage - ein millionenschweres Projekt, dessen Gelingen über die Zukunft des Zoos in Magdeburg entscheidet.

"Der Zeitpunkt stört mich selbst und dass ich hier etwas Halbfertiges hinterlasse", räumt Perret auf Volksstimme-Nachfrage ein und betont: "Ich habe mich nicht aktiv nach Münster wegbeworben, sondern bin angesprochen worden." Münster hatte Personalberater des Unternehmens Kienbaum auf die Suche nach geeigneten Kandidaten entsandt. Sie klopften bei Perret an. Vor seinem Amtsantritt als Magdeburger Zoochef war der gebürtige Duisburger sieben Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zoo Münster tätig, hat beste Erinnerungen an die Stätte seines Berufseinstiegs als Zoologe und pflegte stets engen beruflichen Kontakt zu den Kollegen. Erst im Juli siedelten die Münsteraner Schimpansen nach Magdeburg um. Jetzt will Perret den umgekehrten Weg antreten.

"Die Zoos in Magdeburg und Münster sind nicht vergleichbar. Münster ist mit jährlich rund einer Million Besuchern schon eine Kategorie größer und noch viel stärker zum Beispiel in Sachen Artenschutz engagiert", sagt Perret. Zum Vergleich: Der Magdeburger Zoo zählt pro Jahr zwischen 250000 und 300000 Gäste. Für Perret käme das Engagement als Münsteraner Zoochef folglich einem beruflichen Aufstieg gleich. Dem konnte er offenbar nicht widerstehen.

Für den Magdeburger Zoo prophezeit Perret auch nach seinem Abgang eine gute Entwicklung: "Es ist alles geplant und finanziell gesichert. Das Schiff ist zu gut und zu schnell unterwegs, als dass es so leicht vom Kurs abkommen könnte. Ich hinterlasse ein gut funktionierendes Team. Der Zoo ist auf gutem Wege und bekommt viel Anerkennung aus dem Kollegenkreis." Als ein Zeichen dafür erachtet Perret auch die an ihn gerichteten Abwerbungsavancen, wie es sie vor dem Angebot aus Münster auch schon aus München gab. Negative Schlagzeilen machte Perret 2008 mit der Tötung von drei nicht reinrassigen Tigerwelpen, die 2011 vor Gericht als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz mit einer Geldstrafe geahndet wurde.