Den Kampf der Lokführer bekommen nicht nur Bahnreisende zu spüren. In Schulen bleiben Sitzplätze leer. Ministeriumsmitarbeiter müssen Tagungen absagen. Taxifahrern fehlen Fahrgäste. Hafenmitarbeiter wissen schon jetzt um Sonderschichten. Kein Licht am Ende des "Streik-Tunnels" in Sicht.

Magdeburg l Die Auswirkungen des Lokführer-Streiks sind nicht nur an leeren Bahnhöfen, vollen Bussen und "verstopften" Straßen zu spüren. Die Volksstimme hat sich in der Stadt umgehört.

1. FC Magdeburg: Auch die Regionalligafußballer sind betroffen. Sie selbst kommen am Sonnabend zwar mit dem Bus zum wichtigen Auswärtsspiel beim BFC Dynamo Berlin, aber ihre rund 1000 Fans nicht. Die meisten sind auf die Bahn angewiesen. Ob die fährt, steht in den Sternen. Die Fan-Betreuung versucht so gut es geht Notlösungen mit Bussen zu organisieren. "Das ist aber sehr schwer, weil kaum noch Busse zu bekommen sind", sagt FCM-Sprecher Matthias Kahl.

Taxi

"Und wie wir den Streik zu spüren bekommen", sagt Taxifahrer Romuald Schmidt. Erst vier Touren sei er am Donnerstagnachmittag gefahren. Ohne Streik könnten es mindestens doppelt so viele sein. "Keine Züge, keine Fahrgäste", sagt er.

Hafenbahn

Am ersten von vier geplanten Streiktagen sei am Magdeburger Hafen noch nicht viel davon zu merken, sagt Eisenbahn-Betriebsleiter Manfred Puppe. Er erklärt: "Aber wir rechnen mit einem geballten Zulauf nach Streikende, denn dann kommen alle Züge, die jetzt irgendwo auf Rangierbahnhöfen stehen." Dafür sei das Unternehmen aber gerüstet. "Wir werden die Schichten der Mitarbeiter anders einteilen", sagt Puppe.

Schulen

Am Norbertusgymnasium findet am ersten Streiktag wegen einer Lehrerfortbildung kein Unterricht statt. "Im Normalfall hätten die Schüler von außerhab Schwierigkeiten herzukommen", sagt Sekretärin Maria Zwingmann.

Im Domgymnasium hat am Donnerstagmorgen oft das Telefon geklingelt. "Eltern waren in Sorge, ihre Kinder nicht rechtzeitig zur Schule bringen zu können", sagt Sekretärin Cordula Gehring.

Schüler und Mitarbeiter des Internationalen Gymnasiums Pierre Trudeau in Barleben haben am Mittwoch schon Fahrgemeinschaften gebildet. "Klausuren in der ersten Stunde sollten auf die zweite verlegt werden", sagt Sekretärin Kerstin Bautz.

Am Hegel-Gymnasium gab es keine Verspätungen, da alle Schüler aus Magdeburg kommen, so Schulleiter Konrad Woitag.

Hotel

Im Maritim-Hotel sind keine Streik-Auswirkungen zu spüren. Matthias Nawroth, stellvertretender Hoteldirektor, sagt: "Kunden und Mitarbeiter konnten sich darauf vorbereiten, da der Streik seit dem Wochenende im Gespräch war."

Bahnhofsmission

"Wir spüren, dass wenige Reisende unterwegs sind", sagt Missions-Mitarbeiterin Gabriele Bolzek. Eine Frau mit Kleinkind habe die Räumlichkeiten der Bahnhofsmission genutzt, um die eineinhalb Stunden Wartezeit zu überbrücken.

Tourismus

In der Tourist-Information habe es keine Nachfragen bezüglich des Streiks gegeben, so Ralf Steinmann, Geschäftsführer der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH. Er sagt: "Bei einem Besuch in Zürich habe ich gehört, dass die Streiks in Deutschland von der Schweizer Tourismusszene nicht mehr achselzuckend zur Kenntnis genommen, sondern ernsthaft thematisiert werden."

Ministerium

Drei Mitarbeiter des Verkehrsministeriums mussten externe Termine absagen, da sich die Anfahrt nicht realisieren ließ, informiert Ministeriums-Mitarbeiter Sebastian Putz.

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