Magdeburg l Das erste Erschrecken haben die Kommunalpolitiker überwunden, als sie sich am Donnerstag im Stadtrat zur Sitzung treffen. Verdaut haben sie die überraschenden Nachrichten über die vorzeitigen, aber zwischenzeitlich gescheiterten Ausstiegspläne von Kai Perret aus seinem Vertrag als Magdeburger Zoodirektor aber noch längst nicht. Die Volksstimme holt am Rande der Sitzung Stimmen der Fraktionsvorsitzenden zur Personalie Perret ein.

"Wir waren überrascht", sagt Wigbert Schwenke. Der Christdemokrat steht im Stadtrat der größten Fraktion aus CDU, FDP und Bund für Magdeburg vor. "Die Art und Weise, in der Herr Perret seinen Weggang plante, war völlig unverständlich und ungeschickt. Es gehört zur Fairness, seinen Arbeitgeber darüber zu informieren, wenn der Kapitän auf voller Fahrt vom Schiff gehen will." Das Bild vom Schiff auf Hochtouren bemühte Schwenke für den in vollen Zügen liegenden Zooumbau eben nach Perrets Plänen. Schwenke bewertet Perrets Perspektive in Magdeburg als "kritisch": "Unser Vertrauen ist erschüttert."

Einen fetten "Minuspunkt" hat sich Perret auch bei den Sozialdemokraten eingehandelt. "Ein bisschen enttäuscht bin ich schon von ihm. Damit hat er sich keinen Gefallen getan. Ich denke, das wird Auswirkungen auf künftige Entscheidungen haben", sagt Fraktionschef Jens Rösler auch mit Blick auf Perrets Kehrtwende und seinen Wunsch, nunmehr auch nach Auslaufen seines Vertrages Ende 2016 Zoochef in Magdeburg bleiben zu wollen.

"Enttäuschung" über die Ad-hoc-Wechselpläne Perrets gibt Linksfraktionschef Frank Theile auch für seine Reihen zu Protokoll und dass er die erste wütende Reaktion des Oberbürgermeisters vollkommen nachvollziehen könne. Trümper hatte eine Zukunft für Perret als Zoochef in Magdeburg zunächst kategorisch ausgeschlossen. Er wolle "nicht den Stab über Perret brechen", so Theile, "aber jeder muss wissen, was er tut". Zum Zeitpunkt kann sich Theile ebenso wenig wie Trümper vorstellen, wie Perret sich das verloren gegangene Vertrauen zurückerarbeiten könne.

"Wir waren völlig überrascht und verblüfft", stimmt Olaf Meister, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, in den einstimmigen Chor seiner Ratskollegen ein. "Wir haben die Tötung der Tiger 2008 total kritisch gesehen und waren da überhaupt nicht der Meinung von Herrn Perret. Abgesehen davon hatten wir aber den Eindruck, dass er den Zoo fachlich gut leitet, vernünftig gestaltet und nach der Tigergeschichte auch eine größere Sensibilität im Zoo herrscht." Für Perrets Abschiedspläne aus dem halbfertigen Zoo habe aber auch seine Fraktion wenig Verständnis: "Die Neuausschreibung der Stelle für die Besetzung ab 2017 geht völlig in Ordnung. Perret kann jetzt keinen Freibrief erwarten."

Über Kai Perrets Zukunft als Zoochef in Magdeburg entscheidet, wie der Zoo sich 2015 unter seiner Führung entwickelt und nicht zuletzt, wer seinen Hut um die Neuvergabe der Zooführung ab 2017 noch in den Ring wirft.

   

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