Magdeburg l Die Geschichte klingt verrückt. Mitte Oktober wird eine 89-jährige Magdeburgerin vor einem Friseurgeschäft an der Jakobstraße bestohlen. Ein 27-Jähriger beobachtet das, verfolgt die Täter, wird bedroht und muss die Verfolgung abbrechen. Wochen später nehmen Polizisten in Magdeburg eine junge Frau fest, die per Haftbefehl gesucht wird. Bei ihr finden sie die Bankkarte der 89-jährigen Magdeburgerin. In der JVA Halle verpfeift die junge Frau ihre Freundin, die Zeuge Jens Müller* Wochen zuvor beim Diebstahl beobachtet hat.

Doch der Reihe nach. Im Detail soll sich der Fall laut Polizei folgendermaßen abgespielt haben: Am 21. Oktober läuft Hilde Schmidt* mit ihrem Rollator auf der Jakobstraße entlang. Vor einem Friseurgeschäft bleibt sie stehen, will einen Termin vereinbaren. Während sie im Geschäft ist, lässt sie ihre Gehhilfe samt Handtasche vor dem Geschäft stehen. Diesen Moment nutzt eine Jugendliche aus und lässt die Handtasche mitgehen. Zufällig beobachtet das Student Jens Müller und nimmt die Verfolgung auf. Als er die junge Frau fast erreicht hat, dreht diese sich plötzlich um, schaut ihm in die Augen und sagt: "Lass mich los oder ich steche dich ab." Aus dem Delikt Diebstahl wird in diesem Moment strafrechtlich ein räuberischer Diebstahl, was später für das Strafmaß entscheidend sein dürfte. "Als ich bedroht wurde, habe ich abgelassen und die Polizei informiert", sagt Müller. Auf ihrer Flucht entleert die junge Dame die Handtasche, entnimmt das Portemonnaie, wirft den Rest weg - und entkommt.

Ortswechsel: Wochen später wird im Stadtpark eine per Haftbefehl gesuchte 16-Jährige festgenommen. Bei ihr finden die Polizisten unter anderem die Bankkarte von Hilde Schmidt. Mittlerweile sitzt die 16-Jährige in der JVA Halle. Bei der Vernehmung gab sie an, die Bankkarte von einer Freundin bekommen zu haben.

Der Fall landete auf dem Tisch von Ermittler Ulrich Mattheka. Bei einer Zeugenbefragung konnte Student Jens Müller die 16-Jährige und die beschuldigte Komplizin identifizieren.

Der Fall ist noch nicht abgeschlossen und dürfte in den nächsten Tagen bei der Staatsanwaltschaft landen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass noch weitere Personen bestohlen worden sind.

"Herr Müller hat alles richtig gemacht. Er hat Zivilcourage gezeigt und im richtigen Moment die Polizei informiert", sagt Kriminaldirektor Frank Bendzka. Und auch Hilde Schmidt habe in diesem Fall richtig reagiert. Kurz nachdem sie bestohlen wurde und bevor jemand etwas abheben konnte, ließ sie ihre Bankkarte sperren.

*Namen geändert

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