Magdeburg l Oberbürgermeister Lutz Trümper findet ihn "gut" und "emotional ansprechend". Stadtmarketingchef Ralf Steinmann sowieso. Pro-M-Geschäftsführer Georg Bandarau sagt, dass die Magdeburger "stolz und selbstbewusst" ihre Stadt zeigen - im neuen Werbefilm für die Ottostadt Magdeburg. Die drei erwähnten Fans der brandneuen Produktion der Mitteldeutschen Kommunikations- und Kongressgesellschaft mbH (MDKK) sind zugleich ihre Auftraggeber. Gemeinsam mit den Machern stellten sie den dreieinhalb Minuten kurzen Streifen gestern im Rathaussaal vor Medienvertretern vor. Der Beifall nach dem Abspann klang nicht eben rauschend, aber das muss noch nichts heißen. Ob der Film die erhoffte Wirkung zeigt, werden die Reaktionen im Internet und auf verschiedenen Präsentationsveranstaltungen erst in der Zukunft zeigen.

Etwa drei Monate habe ein Team aus Bild- und Filmkundigen an dem Werk gearbeitet, erklärt MDKK-Chef Jörg Richter und ist mit dem Ergebnis sichtbar zufrieden. Entstanden ist ein Film ohne Worte, dafür mit umso mehr Bildern von Mensch und Stadt. Freilich: Wer sich an den teils rohen Aufnahmen von seiner Heimatstadt in der Magdeburger Polizeiruf-Staffel stört, dem dürfte diese Bilder hier wie das sprichwörtliche Öl runtergehen. Das ist ihr Sinn.

Auftakt: Alles Grün; die Stadt von oben; Blende auf die schöne Tänzerin über den Dächern der Altstadt. Sie wird später immer wieder für Ruhepunkte zwischen schnelleren Schnitten sorgen, ebenso neun Buchstaben, mit Verben wie "machen", "gestalten" und "denken" hinterlegt, die am Schluss das große Ganze - also Magdeburg - ergeben und auf "genießen" enden. Gezeigt wird die aufstrebende Stadt der Wissenschaften, des Sports, der Kultur. In kurzen Sequenzen rückt auch die arbeitende Bevölkerung vom Marktverkäufer bis zum MVB-Fahrer in den Blick. Der Oberbürgermeister mit Amtskette zwinkert sympathisch dreinblickend vor dem Rathaus in die Kamera. Junge und schöne Gesichter überwiegen von der Tänzerin über Studenten; Säugling, Kinder und glückliche Familie dürfen nicht fehlen, ebenso wenig Dom, Elbe, Hundertwasserhaus und die Getec-Arena samt jubelnder Handball-Fans. Auffallend: Die Filmemacher wollen die Magdeburger offenbar als ganz besonders reinliches Völkchen verkaufen; gleich mehrfach wird Staub gewischt: einmal an einer der Jungfrauen im Dom und einmal am Otto von Guericke auf seinem Denkmal neben dem Rathaus, womit das Bild vom Putzen in drei Minuten schon einigermaßen strapaziert ist.

Alles in allem ist ein ausgesprochen klassischer Imagefilm in modernem Gewand entstanden. Er überrascht nicht unbedingt, er kommt ohne den großen Aha-Effekt aus, es sei denn, irgendeiner da draußen glaubt wirklich noch, dass Magdeburg eine ausschließlich graue Industriestadt mit ausschließlich grauen Mäusen wäre. Der bekommt das Gegenteil bewiesen, aber natürlich nicht das ganze, wahre Magdeburg vorgeführt. Zu viel verlangt von einem Drei-Minuten-Werbefilmchen.

   

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