Magdeburg l Plötzlicher Richtungswechsel in der Diskussion um eine neue Flüchtlingsunterkunft am Bruno-Taut-Ring in Magdeburg. In einer schriftlichen Mitteilung gab die Stadtverwaltung Freitagmittag bekannt, dass man entgegen den Ankündigungen nun in einem anderen Block als zunächst vorgesehen 48 Wohnungen für Flüchtlinge herrichten wird.

Das ist das Ergebnis eines Gespräches vom Donnerstagnachmittag zwischen Oberbürgermeister, Sozialdezernat, Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (Wobau) und Wohnungsbaugenossenschaft Otto von Guericke. Diese Entscheidung kommt überraschend, weil Oberbürgermeister Lutz Trümper gegenüber der Volksstimme und auf einer Einwohnerversammlung noch betont hatte, an seinem eigenen Beschluss festzuhalten. Außerdem hatte er die Wohnungsbaugenossenschaft "Otto von Guericke" scharf kritisiert. Der Vermieter hatte in einem Rundbrief an seine Mieter den Flüchtlingswohnblock als "Ärgernis" bezeichnet und behauptet, dass man mit der Wobau bereits eine Vereinbarung getroffen habe, die Flüchtlingswohnungen in einem anderen Block einzurichten. "Das ist schlechter Stil", hatte Trümper gesagt und darauf verwiesen, dass es bereits einen Vertrag mit der Wobau gebe.

Offiziell begründet die Stadt den plötzlichen Meinungsumschwung mit städtebaulichen Planungen. "Entscheidender Grund für diese Festlegung ist die städtebaulich sinnvollere Beibehaltung der straßenbegleitenden Bebauung für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren." Der neue Block liegt auch am Bruno-Taut-Ring, allerdings etwas weiter weg vom nächsten bewohnten Haus und parallel zur Hauptstraße. Sollte die Unterbringung für Flüchtlinge und Migranten nicht mehr gegeben sein, so werde der Wohnblock für den freien Wohnungsmarkt bereitgestellt, heißt es in dem Schreiben weiter. Die übrigen leerstehenden Gebäude im Bruno-Taut-Ring ("Putzerhof") sollen komplett abgerissen werden.

Von dem Asyl-Rundbrief hatte die Verwaltung aus der Volksstimme erfahren. Hinter den Kulissen gab es deshalb auch heftigen Krach. "Das war eine unsägliche Aktion. Trotzdem brauchen wir eine Lösung", sagte Trümper. Der neue Standort gilt als Kompromiss.

Auch der Grünenstadtrat und Landtagsabgeordnete Sören Herbst sagte, dass die Hausnummer letztendlich unerheblich sei. "Wichtig ist, dass die Flüchtlinge ordentlich untergebracht werden", sagte er der Volksstimme.