Magdeburg l Auf dem Kopf des Schmetterlings zeichnet sich das markante Totenkopfmuster ab, träge kriecht der Schwärmer über die Hand von Museumsdirektor Hans Pellmann. Herbeigeeilt ist auch Otto Elias, Vorsitzender der Entomologischen Gesellschaft Magdeburg. Der Schmetterlingsexperte sagt: "Der Totenkopfschwärmer stammt eigentlich aus Afrika und wandert unter günstigen Wind- und Witterungsverhältnissen über die Alpen bis weit nach Europa." Dort vermehren sich die Insekten, deren Raupen sich von Nachtschattengewächsen ernähren und die hierzulande daher vor allem in der Nähe von Kartoffelfeldern vorkommen. "Dass aber sich die Nachkommen dann tatsächlich zu Vollinsekten entwickeln und bis nach Magdeburg kommen, kann nur mit den außerordentlich günstigen Bedingungen der vergangenen Monate zu tun haben."

In der freien Natur hätte der Schmetterling in Kürze aber keine Chance mehr: Sobald der Frost ins Land einzieht, sterben die Totenkopfschwärmer ebenso wie ihre Larven. Otto Elias: "Selbst wenn es also im Durchschnitt künftig noch ein wenig wärmer wird - auch in Zukunft dürften die Totenkopfschwärmer nur unter besonders glücklichen Umständen, zum Beispiel als Puppen im Boden an einer besonders geschützten Stelle, über den Winter kommen." Hans Pellmann sagt: "Solche Funde sind interessant, da damit die Zuwanderung neuer Arten dokumentiert wird." Was die Schmetterlingswelt angeht, berichtet Otto Elias von einer leichten Zunahme der Vielfalt. Einige Arten sind auf dem Rückzug, Windenschwärmer und eine Eulenfalterart (Noctoide) seien jetzt häufiger anzutreffen.

Zu medialer Berühmtheit hat es eine Schwesterart des jetzt gefundenen Totenkopfschwärmers im oscarprämierten US-amerikanischen Film "Das Schweigen der Lämmer" aus dem Jahr 1992 gebracht - sowohl auf dem Plakat als auch als makabre Botschafter eines Mörders. Eine Bedrohung sei der Schmetterling gerade auch angesichts seiner Seltenheit in der Region nicht, so der Experte. Schlimmstenfalls fressen einmal ein paar Raupen vom Laub der Kartoffelpflanzen oder die erwachsenen Tiere bedienen sich am Honig von Bienen.

Um Veränderungen in der heimischen Tierwelt zu dokumentieren, bittet das Museum für Naturkunde darum, tierische Funde in der Otto-von-Guericke-Straße 68-73 vorbeizubringen - nicht nur die von Schmetterlingen. Zu erreichen ist das Museum unter der Telefonnummer 0391/5 40-3502.

Museumsdirektor Dr. Hans Pellmann sagt: "In diesem Fall hat der Bürger das vorbildlich gemacht und uns das unbeschädigte und lebendige Tier zur Verfügung gestellt." Wichtig seien die leibhaftigen Tiere, da allein anhand von Fotos oder Beschreibungen eine genaue Bestimmung der Art kaum möglich ist.