Magdeburg l Die Förderschule für Körperbehinderte am Fermersleber Weg platzt aus allen Nähten - und daran scheint sich auf absehbare Zeit nichts zu ändern. Eine Klage der Stadtverwaltung gegen die Praxis des Landes, der Schule immer mehr Schüler aus dem Umland zuzuweisen und nicht für eine Erweiterung zahlen zu wollen, hatte das Verwaltungsgericht abgewiesen - und die Beschwerde der Stadt dagegen liegt nach wie vor unbeantwortet beim Oberverwaltungsgericht. Darüber informierte Schulamtsleiter Jens Krüger während einer Sitzung des Schulausschusses des Stadtrats in der Einrichtung.

Auf den ersten Blick macht die Förderschule für Körperbehinderte einen guten Eindruck. Im Laufe der vergangenen Jahre wurden die Räume saniert, mit einem intensiven und individuell abgestimmten Programm gehen Lehrer und pädagogische Mitarbeiter auf die Anforderungen ein, die die Behinderungen der 116 Schüler mit sich bringen. Neben dem Unterricht gibt es gemeinsame Fahrten und ein umfängliches außerschulisches Programm.

Doch das ist eben nur die halbe Wahrheit. Denn die Schule ist für die Menge an Schülern viel zu klein. Unterstufenklassen wurden in die Comeniusschule an der Kritzmannstraße ausgelagert. Für die 78 Schüler aus Magdeburg würde der Platz im Fermersleber Weg ja reichen - aber es kommen eben auch 22 Schüler aus dem Bördekreis, zehn aus dem Salzlandkreis, fünf aus dem Jerichower Land.

Geraume Zeit steht der Vorschlag im Raum, dass die Förderschule in Trägerschaft des Landes übergeht - so wie es beispielsweise bei Schulen in Halle und Tangerhütte der Fall ist. Doch aus dem Stadtelternrat ist zu erfahren, dass es in der Landesverwaltung daran kein Interesse gibt.

Elternvertreterin Sabine Woitzik bringt es auf den Punkt: "Alle fühlen sich für irgendetwas verantwortlich - nur niemand für die Kinder." Mit dem Weg vom Provisorium an der Comeniusschule zum Stammsitz sei beispielsweise verbunden, dass die Schüler schwieriger an den nachschulischen Aktivitäten teilnehmen können. Und dass sich die pflegerische Betreuung in vielen Fällen nicht absichern lässt. Oder dass Schüler den Fahrstuhl nicht allein benutzen dürfen - was wiederum dem Ziel, die Schüler auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten, vollkommen widerspricht. Keine Beachtung sei bislang dem Umstand geschenkt worden, dass Schüler mit einer Körperbehinderung beispielsweise mit ihren Rollstühlen und speziellen Stühlen einen höheren Platzbedarf haben als Schüler ohne Behinderung, für die es eine Empfehlung von zwei Quadratmetern pro Kind gibt.

Das Problem: Selbst wenn in der Stadtverwaltung künftig Spendierhosen getragen werden sollten, so dass die Stadt die anteiligen Kosten für die Landkreise mit übernimmt: Eine Genehmigung würde es für diese kommunale Investition nicht geben. Denn Geld aus der Stadtkasse darf nur ausgegeben werden für den Bedarf Magdeburger Schüler - und für diese würde ja der Platz am Fermersleber Weg ausreichen.

Jens Krüger rechnet damit, dass im Frühjahr eine neue Richtlinie vorgelegt wird - und dass auch diese weder eine Förderung für einen Neubau noch eine Sanierung eines bestehenden Gebäudes für die Förderschule zulässt.

Linke-Stadtrat Oliver Müller: "Wir sollten die Landesverwaltung bitten, uns während einer der kommenden Sitzungen zu erklären, wie es weitergehen soll." SPD-Stadtrat Christian Hausmann ergänzt: "Man könnte uns dann ja auch mal erklären, warum in Halle Millionenbeträge in Landesschulen investiert werden können - und nichts in Magdeburg."

Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl möchte derweil prüfen lassen, ob sich eine Schule näher am Fermersleber Weg - die Rede ist von der Grundschule Hopfengarten oder Lindenhof - als besserer Ausweichstandort als die Comeniusschule eignet. Auch wenn dort die Schülerzahlen nicht am Limit liegen, sieht die Schulverwaltung dafür allerdings keine Chance - diese Schulen seien zu klein.