Magdeburg l In den kommenden Tagen machen die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) mit ihren elektronischen Anzeigen ernst: Dann wird - zumindest erst einmal im Testbetrieb - die bisherige statische Abbildung des Fahrplanes an jenen Haltestellen, an denen elektronische Anzeigetafeln installiert sind, durch eine dynamische und damit aktuelle Anzeige ersetzt. Sprich: Anstelle der am Haltestellenaushang ausgedruckten Abfahrtszeiten für Busse und Bahnen werden dann jene Abfahrtszeiten angezeigt, die mit einem neuen Programm errechnet werden. Grundlage für diese Berechnung sind die Standorte der Fahrzeuge, die in Sekundenschnelle immer wieder per GPS-Sender in die Einsatzzentrale des kommunalen Verkehrsunternehmens übermittelt werden.

Bereits vor Monaten war die Rede davon, dass die Magdeburger Verkehrsbetriebe ihre elektronischen Anzeigetafeln mit diesem neuen Komfort ausstatten wollen. Bestenfalls, so hieß es damals, könnte das System im Herbst in Betrieb gehen. MVB-Sprecher Tim Stein vermeldet nun, dass daraus der Spätherbst geworden sei. Bereits seit Ende Oktober werde das neue Betriebsleitsystem für die Fahrgäste unbemerkt im Hintergrund gestestet. "Ab Dezember greift dann die nächste Testphase: Dann wird das System auch auf den Fahrgastanzeigen aufgeschaltet und somit erstmals im laufenden Betrieb unter realen Bedingungen getestet", so der MVB-Sprecher. Dies bedeutet, dass ab diesem Zeitpunkt die Anzeigen erstmalig dynamische Informationen geben können: minutengenau kann angezeigt werden, wann die nächste Bahn oder der nächste Bus eintrifft. "Wir bitten aber unsere Fahrgäste um Verständnis, wenn es in der ersten Zeit noch zu Unregelmäßigkeiten, falschen Informationen oder gar Ausfällen der Anzeigen kommen sollte. Auch hier können noch Fehler auftreten, die in unserer virtuellen Testumgebung seit Oktober nicht erfasst werden konnten", sagt Tim Stein. Bis zum Jahreswechsel sollte das System ohne Probleme laufen.

Die Umstellung vom völlig veralteten Betriebsleitsystem auf das neue moderne System habe sich als sehr komplex erwiesen, "da hier vier verschiedene neue Systeme eingesetzt werden, die wie Zahnräder ineinander greifen müssen", so der MVB-Sprecher. Bei der Umstellung habe es im Testbetrieb kleinere Probleme gegeben, "die wir zusammen mit dem Hersteller behoben haben", berichtet Tim Stein.

Im Jahr 2014 wurden die Haltestellen Zoo, Verkehrsbetriebe, Kastanienstraße, Olvenstedter Platz und Hauptbahnhof mit neuen Anzeigen ausgerüstet. Nächstes Jahr stehen unter anderem die Haltestellen Alter Markt, Am Katharinenturm, Opernhaus, Pechauer Platz, Universität, Askanischer Platz, Mittagstraße und Spielhagenstraße auf dem Investitionsplan für die modernen Fahrgastanzeigen.

Der Vandalismus an einigen Haltestellen bereitet den MVB derweil große Sorge. "Die Anzeige am Klinikum Olvenstedt wurde nun zum dritten Mal zerstört", berichtet Tim Stein. Angesichts der Kosten von 15 000 bis 20 000 Euro schlage das erheblich zu Buche. "Ebenfalls vom Vandalismus betroffen sind die Blindentaster, die jede Anzeige besitzt. Durch Druck auf die Taste wird der Anzeigentext automatisch vorgelesen, damit auch sehbehinderte Menschen die Informationen wahrnehmen können", berichtet der MVB-Sprecher. Die Schalter würden, "über das gesamte Stadtgebiet verteilt, immer wieder gewaltsam abgeschlagen". Hier solle geprüft werden, ob es möglich ist, ein Metallgehäuse an den Tastern zum Schutz vor Missbrauch nachzurüsten.

Außerdem sollen vandalismussichere Anzeigen für "problembehaftete Standorte" erworben werden. Fraglich ist, ob es die überhaupt auf dem Markt gibt. "Alternativlösungen, wie etwa mit Metall vergitterte Anzeigen, sind sehr unansehnlich und verhindern den ungestörten Blick auf den Anzeigentext", sagt der MVB-Sprecher.