Magdeburg l "Hau ab, Käfer!" hatten die Mitglieder der IG Rothenseer Bürger vor der Bürgerversammlung am Mittwoch auf Anstecker geschrieben und diese an die Besucher verteilt. Denn angesichts dessen, was der Schädling aus Fernost bis jetzt im Ortsteil angerichtet hat, haben sie keinen "Bock mehr auf den Käfer".

Und es wird nicht besser. Denn die Mitarbeiter der mit der Bekämpfung betrauten Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) haben in den vergangenen Wochen insgesamt zehn Bäume mit lebenden Larven an sechs neuen Fundstellen ausfindig machen können. Allesamt nach Bürgerhinweisen, 60 gab es davon insgesamt.

Entsprechend der Richtlinie des Julius-Kühn-Instituts werden um die Fundstellen Quarantänezonen im 2-Kilometer-Radius gezogen und weiterhin werden im Umkreis von 100 Meter alle Laubgewächse als potenzielle Wirtskörper für den ALB gefällt. Bis zum Ende der vegetationsfreien Zeit werden diese durchgeführt, erklärte LLFG-Referatsleiterin Dr. Ursel Sperling. Betroffene Grundstückseigentümer erhalten Post, bevor die Fälltrupps anrücken.

Zurück bleiben Vorgärten und Grünflächen voller Baumstümpfe. Einen Vorgeschmack darauf, wie es danach aussehen wird, kann man bereits in der Badeteichstraße bekommen. Dort waren Ende Oktober um den ersten Fundort herum insgesamt 396 Laubbäume sowie circa 1000 Quadratmeter Laubgehölze und Sträucher gefällt, gehäckselt und verbrannt worden.

Aktuell sind die Holzfäller in einem kleinen Wäldchen am Kraftwerk-Privatweg zugange. An fünf weiteren Standorten (siehe Karte) werden sie bis zum Ende des Winters zuschlagen. Für einzelne Standorte, wie z.B. den Ziegeleiweg, wird es voraussichtlich Ende Januar Versammlungen geben, auf denen die betroffenen Eigentümer über die Fällungen informiert werden.

Auf die Frage eines Bürgers, ob das erst der Anfang sei, hatten die Käferbekämpfer keine Antwort parat. Schließlich kratzt die neue Zone am Zoo und am Herrenkrug. "Wir wissen vieles nicht. Damit werden wir leben müssen", erklärte Dr. Falko Holz, Präsident der LLFG. Das sogenannte Monitoring soll im Verlauf der nächsten Monate Gewissheit darüber bringen, wie schwerwiegend der Befall tatsächlich ist.

Dazu wurde das Gebiet um den ersten Fundort in der Badeteichstraße in ein Raster mit 344 Quadraten aufgeteilt. Derzeit wird der Laubbaumbestand in jedem einzelnen der Bereiche erfasst. Anschließend geht es mit Ferngläsern und Hubsteigern auf Käfersuche in die Baumkronen, wo er sich am liebsten aufhält. Das Land bildet zudem extra Baumkletterer aus, um dem Käfer auf die Spur zu kommen. Selbst Spürhunde würden mitunter mit sehr guten Ergebnissen eingesetzt, berichtete Käferexperte Dr. Thomas Schröder vom Julius-Kühn-Institut.

Er verdeutlichte mit beeindruckenden Zahlen, wie wichtig die Bekämpfung ist: "In seiner chinesischen Heimat hat der ALB in einer einzigen Provinz 80 Millionen Bäume vernichtet."

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