Magdeburg l In der jüngeren Vergangenheit hat es gewaltig geknirscht im Linke-Stadtverband. Flügelkämpfe zwischen Alt- und Alt- sowie zwischen Jung- und Alt-Genossen schlugen sich in offenen Auseinandersetzungen in der Linke-Ratsfraktion nieder und zeitigten den Austritt von Ex-Stadtchef, Ex-OB-Kandidat und Ex-Sozialbeigeordneten Hans-Werner Brüning, jetzt auch Ex-Linker. Auf dem Stadtparteitag am Sonnabend - ausgerufen zur Bestimmung des Kandidaten für die OB-Wahl am 15. März 2015 - spielten die Schlachten kaum bzw. nur in Andeutungen und auf den Fuß folgenden Aufrufen zur Geschlossenheit eine Rolle.

92 von rund 560 Magdeburger Linken, die Mehrheit stark ergraut, kamen zur Versammlung ins Familienhaus am Nordpark, am Ende stimmten 86 über den einzigen, parteiintern ausgerufenen OB-Kandidaten ab. Frank Theile - 56 Jahre, gebürtiger Leipziger, geschieden, zwei Kinder, ehemaliger NVA-Pilot, heute hauptamtlich in Diensten der Wobau, seit 2009 im Ehrenamt Vorsitzender der Linke-Ratsfraktion - soll´s noch einmal machen. 80 Genossen (92 Prozent) gaben ihm seine Stimme.

Anno 2008 war Theile bereits einmal gegen den sozialdemokratischen Amtsinhaber Lutz Trümper in den Ring gestiegen, hatte mit knapp über 12 Prozent der Stimmen aber nicht die Spur einer Chance gegen den mit über 64 Prozent wiedergewählten Stadtchef. Theile räumt ein, dass ihm damals - kaum ein Jahr Parteimitglied und öffentlich unbekannt - "wohl noch einiges gefehlt" habe, um Trümper ernsthaft den Stuhl streitig zu machen. Jetzt aber fühle er sich fachlich wie politisch in der Lage und will einen "Kontrapunkt zum Amtsinhaber besonders in Bezug auf seinen Umgang mit Menschen setzen". Für dieses Ziel erhielt Theile rasenden Beifall der eigenen Anhängerschaft. Bereits zuvor hatte der Stadtvorsitzende Torsten Hans das amtierende Stadtoberhaupt heftig attackiert und sinngemäß einen visionslosen Verwalter genannt, dem es am Vermögen fehle, die Stadt im echten Einverständnis mit ihren Einwohnern zu gestalten. Theile schlug in die gleiche Kerbe ("Nur ein guter Verwalter zu sein, ist deutlich zu wenig!") und versprach, etwa Bürgerbefragungen und Bürgerentscheide im Falle seiner Wahl "deutlich in den Vordergrund" der Stadtpolitik stellen zu wollen.

Die Linke setzt mit Theile auf Sieg; "Platz 2 nutzt uns nichts", sagte Ex-Stadtrat Walther Meinecke, nannte Trümper allerdings einen "achtbaren Gegner" und stellte fest: "Wir werden uns dolle anstrengen müssen, um gegen ihn den Sieg davonzutragen."