Magdeburg | Ihren Patienten fehlen die Nasen, die Jäckchen sind verblasst, Gießkannen und Spaten abgesplittert. Anne und Marco Lehmann erwecken Zwerge, Enten, Schildkröten, Maulwürfe und allerlei andere Gartenfiguren aus Keramik in ihrer Zwergenklinik zu neuem Leben.

Die Idee dazu hatte die heute 28-Jährige, als sie 2009 mit ihrer Tochter Kim schwanger war. "Ich saß in Mamas Garten und sie meinte, die Figuren könnten einen Anstrich vertragen", erzählt die Chefärztin für Zwergenheilkunde. "Also habe ich sie wieder schick gemacht." Irgendwie habe sie Freude daran gefunden, bezeichnet das Malen als Ausgleich. "Das ist bis heute so", sagt Zahnarzthelferin Anne Lehmann. Seit drei Jahren hat die junge Familie sogar einen eigenen Schrebergarten mit der ein oder anderen Figur.

"Unser Garten ist eigentlich der Klinikstandort", sagt Marco Lehmann. Für den Winter allerdings hat das Paar die Zwerge mit in die Küche genommen. Dort ist der Assistenzarzt - im wirklichen Leben Polizist - nach dem ersten Gutachten verantwortlich für das Grobe. "Ich repariere die Figuren mit Modelliergips, säubere sie und male auch mal große Flächen an", sagt Marco Lehmann. Details wie die Gesichter und Zwergen-Utensilien übernehme seine Frau.

Mittlerweile gibt es sogar eine Geburtsstation in der Zwergenklinik. "Wir haben den Auftrag vom Fanshop des FC Magdeburg bekommen, 100 Weihnachts-Wichtel herzustellen", sagt Anne Lehmann. Dafür haben die Doktoren aus Silikon eine Form für einen Zwerg mit Geschenkesack und Fußball gebaut. "Wir befüllen die Form mit Keramikgips und bemalen die fertigen Figuren anschließend mit Buntlack", erklärt die Magdeburgerin. Zum Abschluss gibt es für jeden Zwerg eine Extraportion Klarlack. "Damit sie nicht so schnell wieder in die Klinik kommen müssen", so Anne Lehmann.

Was anfangs im Gewerbeamt belächelt wurde, läuft mittlerweile so gut, dass das Paar mehrere Stunden am Abend werkelt. Etwa 50 Weihnachts-Fußball-Zwerge bevölkern bereits das Badezimmer der Familie. Sogar die fünfjährige Kim hat einen eigenen großen Gartenzwerg. "Den gestaltet sie immer mal wieder um", sagt Anne Lehmann.

Abseits des Großauftrags sind es vorwiegend Liebhaberstücke, die die Klinik besuchen. "Der älteste Patient war 30 Jahre alt", sagt die Zwergen-Ärztin.

Während sie einem größeren Gartenzwerg eine gesunde Gesichtsfarbe verpasst, sagt Anne Lehmann: "Mein Traum wäre ein Dauerauftrag von der Stadt für Magdeburg-Wichtel als Souvenirs." Der Prototyp wartet bereits in der Klinik.

Weitere Infos: www.zwergenklinik.de

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