Magdeburg l Die Magdeburger haben sich an diesen Anblick schon gewöhnt: Im Jahr 2002 wurden die alten Keller nördlich des Wehrturms hinter der Ausfahrt der Möllenvogtei gesichert, seitdem ist hier nicht mehr viel passiert.

Das könnte sich ändern, denn die Verwaltung unternimmt einen neuerlichen Anlauf, das Gelände Privatinvestoren zur Verfügung zu stellen. Nicht im Zuge des Verkaufs, sondern als Erbbaupacht.

Carsten Sußmann ist unmittelbarer Nachbar. Sein Unternehmen Sußmann + Sußmann hat nicht nur seinen Sitz im aus einer Ruine wiedererrichteten Wehrturm südlich der Keller - der Ingenieur hat sich intensiv mit den Nutzungsmöglichkeiten der Magdeburger Festungen beschäftigt. Zu den Referenzen seines Unternehmens gehört beispielsweise die heutige Nutzung des Kiek-in-de-Köken-Wehrturms ein paar Meter weiter im Norden.

Genutzt werden sollen die bestehenden Keller

Er erinnert sich, dass hier nicht zum ersten Mal Ideen entwickelt werden sollen, was mit den Kellerruinen passieren könnte. "Eine Nutzung dieses Filetstücks in der Magdeburger Innenstadt wäre großartig. Bei der Neugestaltung muss natürlich beachtet werden, dass der Charakter der beiden mittelalterlichen Wehrtürme nicht beschädigt wird", sagt Carsten Sußmann.

Für den Wunsch stehen die Chancen gar nicht schlecht. Denn in der bis 30. Januar laufenden Ausschreibung ist ausdrücklich festgeschrieben, dass hier eine Erhaltungssatzung gilt - sprich, dass hier das Stadtbild nicht einschneidend verändert werden darf und daher eine mehrgeschossige Bebauung ausgeschlossen ist. Um genau zu sein: Es geht um Ausbau und Schließung der offenen Kellergeschosse, heißt es in den Unterlagen des städtischen Liegenschaftsservices für die Fürstenwallkeller. Eine Überbauung der Kellergeschosse sei auf das "notwendige Minimum" zu beschränken. Die Verwaltung empfiehlt hier eine touristisch-gewerbliche Nutzung. Eine "untergeordnete Wohnnutzung" sei möglich.

Warum allerdings ergreift die Stadt nicht selbst das Engagement für einen solchen sensiblen Bereich des Denkmalschutzes? Baubeigeordneter Dieter Scheidemann sagt: "Die Stadt ist nicht in der Lage, alle Denkmale selbst zu entwickeln. Das würde sie finanziell völlig überfordern."

Die öffentliche Kasse habe schon genug damit zu tun, die bestehenden und für die Aufgaben der Kommune notwendigen Einrichtungen wie Sozial- und Verwaltungsgebäude und Schulen zu erhalten oder bei Bedarf neu zu bauen. Dieter Scheidemann schlussfolgert: "Ein privater Interessent ist daher die beste Lösung, um historische Bauwerke für die Zukunft zu sichern." Das ist nicht allein im Fall der Fürstenwall-Keller der Bereich, sondern auch an vielen anderen städtebaulich wertvollen Stellen der Landeshauptstadt.