Magdeburg l Bananen, Tomaten, Marmelade oder die noch haltbare Käsepackung: Der erste Foodsharing-Kühlschrank im Gebäude der Humanwissenschaften der OVGU ist bunt und prall gefüllt. "Foodsharing ist auf jeden Fall wichtig. Es wird viel weggeworfen. Aktivitäten wie diese müssen unterstützt werden und ich freue mich daher sehr über das aktuelle Engagement", betont Rektor Prof. Jens Strackeljan, der gemeinsam mit den Organisatoren der Foodsharing-Gruppe Magdeburg den neuen Standort in der Zschokkestraße einweihte.

Laut Studie des Verbraucherschutzministeriums wirft jeder Deutsche hochgerechnet 82 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg. Bedeutet, jedes achte Lebensmittel, das wir einkaufen, landet im Müll. "Foodsharing heißt Lebensmittel retten. Wir greifen bei allen drei Komponenten an - beim Produzenten, Konsumenten und beim Handel", beschreibt Organisatorin Madeleine Linke, "wir versuchen die Entsorgung von noch genießbaren Lebensmitteln zu reduzieren und ihnen ein neues Zuhause zu geben."

Nachhaltigkeit im Alltag verankern


Die Maschinenbaustudentin ist eine von vielen aktiven Helfern, die sich beim Hauptverteiler in Stadtfeld Ost und bei vielen Lebensmittelaktionen innerhalb Magdeburgs engagiert. "Foodsharing ist für jeden was - alle Alters- und Berufsgruppen sind angesprochen. Es hat hier nichts mit Bedürftigkeit zu tun, sondern mit der Überzeugung zu helfen und bewusster mit unserer Umwelt umzugehen", fügt sie hinzu.

Obst, Gemüse und Backwaren werden täglich von Zulieferern in den Hauptverteiler in Stadtfeld-Ost gebracht. Brot, Brötchen und Baguettes sind sehr begehrt, das Obst wird oft direkt weiterverarbeitet, das Gemüse findet immer einen neuen Besitzer. Wenn dann doch noch was übrig bleibt, wird gemeinsam gekocht.

"Der neue Standort an der Uni ist dafür da, dieses Projekt noch bekannter zu machen. Wir hoffen sehr, dass wir im nächsten Jahr noch ein paar Kühlschränke an der OVGU und der Fachhochschule Magdeburg-Stendal aufstellen können und somit mehr Leute von dem Projekt überzeugen", erklärt Ralf Weigt, Organisator und Ansprechpartner im Kinder- und Familienzentrum Emma. "Wir haben die Vision, das Thema Nachhaltigkeit bei vielen noch bewusster in den Alltag zu verankern. Wir bauen auf ein ganzheitliches Konzept. So wird Fallobst aus Kleingärten bei einer Schnippel-Aktion auf dem Alten Markt verarbeitet und Kinder kochen gemeinsam mit Rentnern Kompott ein. Bei diesen Aktivitäten wird viel Wissen weitergegeben und es entsteht ein ganz anderes und großartiges Miteinander." Und Studentin Madeleine Linke sagt: "Wir freuen uns, wenn sich noch mehr Leute engagieren möchten und unsere Gruppe immer größer wird - wir haben noch viele Zukunftsvisionen."

Studentin geht mit Arbeit auf Ursachensuche


Nicht nur der Foodsharing-Kühlschrank, sondern auch die bewusstere Ernährungswahl ist auf dem Unicampus ein aktueller Trend. Karolin Schmidt, Umweltpsychologiestudentin an der Otto-von-Guericke-Universität möchte mit dem Projekt "Mina - Magdeburg is(s)t nachhaltig!" im Rahmen ihrer Masterarbeit herausfinden, warum so viele unserer Lebensmittel unnütz im Müll landen und was alles dagegen getan werden kann, bzw. wie sie genutzt werden können. Für die Erhebung hat die Studentin einen Fragebogen erstellt und wertet aktuell die Ergebnisse aus.