Magdeburg l In Magdeburg steigen seit einigen Jahren die Zahlen der Neugeborenen wieder. Doch mit Blick auf die Betreuung von Schwangeren, Müttern und Neugeborenen gibt es auch Probleme. Dies wurde während der ersten interdisziplinären Veranstaltung der Mitteldeutschen Perinataltagung im Kulturwerk Fichte deutlich. Miteinander ins Gespräch gekommen waren vor einigen Tagen Ärzte, Hebammen und Pflegepersonal, und eines ihrer Themen war die Fragestellung "Sind wir noch versicherbar?" Hintergrund ist die Frage der Haftpflichtversicherung in der Geburtshilfe, deren Beiträge in den vergangenen Monaten immer wieder für Verunsicherung und insbesondere bei freiberuflichen Hebammen zur Frage geführt hatten, ob sie ihren Beruf angesichts hoher Beiträge noch fortführen können.

Vorschlag der Versicherer für Obergrenze bei Schäden

Zur Diskussionsrunde geladen war auch Nils Hellberg, Abteilungsleiter Haftpflichtversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Diskutiert wurde der neue Gesetzesentwurf, der vorsieht, dass Hebammen pro Geburt eine Pauschale erhalten. Ein Vorschlag der Versicherer lautet, die Obergrenze im Schadensfall zu begrenzen. "Der Grundgedanke des neuen Entwurfes ist im Ansatz gut, doch leider nicht zu Ende gedacht. Es bleibt eine absolute Planungsunsicherheit für die Arbeit der Hebammen", so Elke Pirrhs, erste Vorsitzende des Hebammenlandesverbands Thüringen. Für ein Jahr wurde die bisherige Regelung verlängert - trotz der Tatsache, dass immer mehr Hebammen sich inzwischen zur Aufgabe ihres Berufs entscheiden haben. Prof. Serban-Dan Costa, Direktor der Unifrauenklinik, brachte es auf den Punkt: "Es droht ein Versorgungsnotstand! Wir brauchen aber die Hebammen." Es bleibe zu hoffen, dass der Gesetzesentwurf nicht an der Realität vorbei verabschiedet wird.

300 Besucher kommen nach Magdeburg

Knapp 300 Teilnehmer aus Mitteldeutschland waren zu der Tagung nach Magdeburg gekommen. Die wissenschaftlichen Leiter Dr. Sven Seeger vom Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle und Prof. Gerhard Jorch von der Universitätskinderklinik Magdeburg zeigten sich erfreut über diese große Resonanz. Zur Eröffnung betonte Gerhard Jorch die hervorragende Leistung der Professuren im Bereich der Geburtshilfe, Gynäkologie sowie der Neonatologie und Pflege. Sachsen-Anhalt habe die geringste Säuglingssterberate und sei auch in Sachen Hygiene und Infektionsvermeidung ganz vorn dabei.

Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Hebammen und Pflegepersonal sehen die Organisatoren als eine Herausforderung, die den wissenschaftlichen Austausch aller Berufsstände und gute Weiterbildungen für fachliches Personal voraussetzt. Hier bestehe weiterer Bedarf, sich weiter auszutauschen und enger zusammenzuarbeiten. Die Tagung wurde mit freien Vorträgen, Postersessionen und Workshops gestaltet. Sie umfasste zudem Diskussionsrunden zu medizinischen und psychosozialen Themen, aber auch gesellschaftspolitischen Fragestellungen.

Zu den Kooperationspartnern gehörten die Mitteldeutsche Gesellschaft für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, der Arbeitskreis Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin Sachsen-Anhalt e.V. sowie die Landeshebammenverbände Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.