Altstadt l Von Januar bis Juni sollen Lutz und Barbara Liebecke für ihre Modeschule noch einmal einen Mietvertrag bekommen. Ob und wie es für sie dann weitergeht, sei offen. Das bestätigte auch Ralph Tysz-kiewicz, Chef der Gesellschaft für Wirtschaftsservice (GWM), die den Gebäudekomplex in der Brandenburger Straße 9-10 im Auftrag der Stadt betreibt und dort, wo bisher Hochschule und Universität lehrten, ein Kreativzentrum etablieren soll.

Die Modeschule, die 2010 von Halle nach Magdeburg zog und Räumlichkeiten in dem Objekt nutzt, sorgte zuletzt mit Schlagzeilen zu immensen Schulden, Räumungsklage und Gerichtsverfahren für Aufsehen. Als Untermieter der Hochschule Magdeburg-Stendal waren Mietrückstände in Höhe von rund 9000 Euro aufgelaufen. Gut 3000 Euro seien laut Lutz Liebecke inzwischen beglichen, dennoch kam es nach einer Räumungsklage zu Gerichtsverfahren. Diese verlor die Modeschule und muss nun weitere 20 000 bis 25 000 Euro für Gerichts- und Anwaltskosten begleichen, so der Schulleiter Lutz Liebecke.

Schulterbar scheint das nicht zu sein. Denn nach wie vor fehlen Einnahmen aus dem Schulgeld der Modeschüler. Rund 200 Euro zahlten sie pro Monat. Statt der mindestens zwölf benötigten erlernen derzeit noch drei Schülerinnen das Schneiderhandwerk.

Im Juni werden nun auch sie die Schule verlassen - immerhin wird erstmals eine Schülerin die Prüfung zur staatlich anerkannten Damenmaßschneiderin ablegen. Doch ob neue Schüler folgen, ist unklar. "Das hängt nun von den Verhandlungen mit der GWM ab", sagt Barbara Liebecke. "Wir wollen ja nichts geschenkt, wir wollen nur faire Konditionen", sagt sie. Bisher zahlte die Modeschule für rund 800 Euro Miete, zuletzt ein Nutzungsentgelt.

Für das geplante Kreativzentrum, für das Designbüros, Architekten, Künstler u. a. als Mieter ins Auge gefasst wurden, kommen nur solvente Mieter in Frage. Für GWM-Chef Ralph Tyszkiewicz ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass man sich einig wird. "Wir haben nun sechs Monate Zeit, eine Lösung mit der Modeschule zu finden", sagt er.

Den Gebäudekomplex definitiv verlassen muss dagegen die Hochschule und damit auch die Universität, die dort bisher Untermieter der Hochschule war. Bis zum 31. Dezember 2015 gelte der Vertrag, so Tyszkiewicz. Allerdings handele es sich um einen gleitenden Übergang. Soll heißen: Wenn Mietinteressenten bereits jetzt Räume im Sinne des geplanten Kreativzentrums in Anspruch nehmen möchten, wolle man mit der Hochschule Lösungen einer vorzeitigen Beräumung suchen. Für die Hochschule, die dort nicht nur zahlreiche Vorlesungs-, sondern auch Büro- und Tagungsräume nutzt, könnte das zum Problem werden. "Wir haben im Grunde keine Kapazitäten auf dem Herrenkrugcampus", erklärt Hochschulsprecher Norbert Doktor.