Magdeburg l Einen zwei Zentimeter langen Körper haben sie, hinzu kommen die Fühler. Wer in seiner Küche dieser Tage eine Amerikanische Kiefernwanze trifft, hat eine in Magdeburg bislang nicht heimische Art vor sich. Im Oktober und im Dezember sind drei Tiere nachgewiesen worden.

Peter Göricke ist bei der Entomologischen Gesellschaft Magdeburg (www.entogema.de) - den Insektenkundlern der Region - Experte für die Wanzen und erläutert: "Zunächst sind die Tiere - vermutlich als blinde Passagiere bei Holztransporten - Mitte des vergangenen Jahrhunderts von der West- an die Ostküste der USA gelangt."

1999 wurden die Tiere erstmals in Norditalien nachgewiesen, 2006 waren sie in Südwestdeutschland angekommen.

"In Sachsen-Anhalt gab es auch schon Funde in Halle und in Dessau." Ein Zufall? "Nein, die Tiere suchen gerade zum Beginn der kalten Jahreszeit die Nähe menschlicher Siedlungen. Wegen der Wärme."

Eine Gefahr gehe für die Menschen aber trotz ihrer für Wanzen beachtlichen Größe nicht aus. Die Tiere ernähren sich von den Fruchtständen von Nadelbäumen wie Kiefern und Douglasien. Sie haben weder Interesse an den Menschen selber noch an deren Textilien, Einrichtungsgegenständen oder Lebensmitteln.

Eine Gefahr für die heimische Natur sieht der Insektenexperte derzeit ebenfalls nicht: "In den USA treten sie zwar als sogenannte Schädlinge in Erscheinung, wenn sie bei massenhaftem Auftreten die Samenzucht von Nadelbäumen beeinträchtigen." Von einem massenhaften Auftreten könne in unseren Breiten jedoch auf keinen Fall die Rede sein - und ob dies jemals der Fall sein wird, ist alles andere als ausgemacht.

Peter Göricke erläutert: "Es könnte auch passieren, dass die Kleinsäuger und Vögel die Amerikanische Kiefernwanze als Leckerbissen entdecken und dass die Insekten auf diese Weise eher zu einer Bereicherung werden. So etwas lernen die Beutegreifer in vielen Fällen recht schnell", berichtet der Insektenexperte.

Eine Bereicherung sieht der Wanzen-Experte zumindest aus ästhetischen Gründen: "Die farbige Zeichnung der Tiere ist sehenswert." Markant für die Tiere ist dabei eine paddelähnliche Verbreiterung der Hinterschienen des hinteren Beinpaars - einem Körperteil, was beim Menschen dem Unterschenkel entspräche.

Was übrigens die Gruppe der Wanzen angeht, hält der Insektenexperte diese für vollkommen missverstanden. "Das liegt nur an dieser einen von den 692 in Sachsen-Anhalt nachgewiesenen Wanzenarten. Das liegt an der Bettwanze." Die Mehrheit der Wanzen sei für den Menschen nicht nur vollkommen ungefährlich, sondern vielmehr wichtige Glieder in den Nahrungsketten der heimischen Natur. "Zu den Wanzen gehören die Wasserläufer. Diese sind für viele Fische ein sehr wichtiger Bestandteil der Nahrung", nennt Peter Göricke ein Beispiel für die Bedeutung der Insektengruppe.