Volksstimme: Lieber Weihnachtsmann, was ist das für ein Gefühl, Chef einer Lokalausgabe zu sein?
Es fühlt sich gut an und ist gar nicht so fremd für mich. Als Chef einer Zeitung muss man gleichermaßen loben und kritisieren, was so in einer Stadt passiert. In meinem Hauptjob als Weihnachtsmann mache ich das ja auch. Wer lieb ist, bekommt Geschenke, die anderen eine Rute.

Sie haben die Redaktionssitzung geleitet. Was für einen Eindruck haben Sie gewonnen?
Na, die Redakteure waren sehr aufgeschlossen. Ich musste nicht die Rute herausholen. Das ist doch schon mal was.

Auf welchen Beitrag freuen Sie sich in der Zeitung heute besonders?
Ganz klar: Die frohen Botschaften. Unsere Welt hat leider viele Probleme, sodass darüber manchmal das Gute in den Hintergrund rückt. Wenn die Zeitung da mal wie heute einen Akzent setzt und auf jeder Seite in einer Sonderrubrik eine Meldung mit positivem Inhalt druckt, dann ist das ein gutes Zeichen. Ich hoffe in den kommenden Monaten auf noch mehr Anlässe für gute Nachrichten - auch ohne Sonderrubriken.

Welche gute Nachrichten für Magdeburg wünschen Sie sich denn?

Ist gar nicht mehr so einfach. Licht auf dem Ring brennt ja zumindest teilweise wieder. Für den Blauen Bock gibt es auch eine Perspektive. Vielleicht finden wir ja mal bei unseren zahlreichen Ausgrabungen eine Schatulle mit einem Schatz, mit dem wir unseren Tunnelbau oder am besten gleich alle Stadtschulden finanzieren und abbauen könnten, um dann wieder mehr Geld für andere wichtige Dinge in der Stadt zu haben, zum Beispiel für die Kulturhauptstadtbewerbung und die Strombrückenverlängerung. Gegen eine größere Weihnachtsmannwohnung vor dem Rathaus für mich hätte ich natürlich auch nichts.

Lieber Weihnachtsmann. Heute am Heiligen Abend regieren Sie Magdeburg. An allen anderen Tagen übernehmen das die Mitglieder des Stadtrates. Haben Sie für die auch eine frohe Botschaft?

Na, ja, die sollen mal nicht immer alles zerreden und sich lieber von Sachargumenten als von Parteipolitik leiten lassen. Schön wäre auch, wenn sie demokratisch gefasste Entscheidungen zumindest akzeptieren, statt weiter darüber zu nörgeln. Mancher könnte sich da ein Beispiel an den Magdeburgern nehmen. Da kenne ich ganz viele Elbestädter, die oft abseits von der Öffentlichkeit anderen Menschen helfen und Freude bringen, ohne darüber groß zu palavern. Ich denke da nur an die vielen Vereine im Kultur- und Sportbereich. Was die auf die Beine stellen, ist großartig und verdient Dank und Anerkennung.

In Magdeburg ist Weihnachten zu Hause. Das beweisen der große Markt rund ums Rathaus, aber auch die vielen kleinen Märkte in den Stadtteilen.
Das stimmt, und darüber freue ich mich sehr. Ich habe da ja viele Helfer, die mich unterstützen. Zwischen Barleber See und Beyendorf-Sohlen gibt es so viel für Weihnachtsmänner zu tun. Das schaffe ich allein gar nicht. Ich grüße hier dann gleich mal meine vielen Helfer und sage Dankeschön.

Sie selbst wohnen ja erstmals in einer eigenen Wohnung vor dem Rathaus auf dem Weihnachtsmarkt. Wie lebt es sich da?
Das ist ganz nett. Ich habe viel Spaß, vor allem mit den Kindern. Außerdem stehe ich mal für vier Wochen im Mittelpunkt. Das habe ich ja sonst nicht. Ich komme gern wieder nach Magdeburg.

Wie wird man eigentlich Weihnachtsmann?
Oh, das fällt unter das Betriebsgeheimnis. Ich kann nur so viel sagen: Das ist nichts für Weicheier ...

... aber dann verraten Sie doch wenigstens, was einen guten Weihnachtsmann ausmacht.
Das ist ganz einfach: Man muss zuhören können, warmherzig sein und notfalls für einen Tag auch mal die Lokalredaktion der Volksstimme leiten können. Das härtet ab, vor allem Letzteres.

Letzte Frage: Was macht ein Weihnachtsmann außerhalb der Weihnachtszeit?
Der ruht und rastet nicht, wie viele vielleicht denken. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe auf dem Markt viele Fotos gemacht, die ich im Sommer sortiere. Außerdem beobachte ich die Magdeburger das ganze Jahr über sehr genau und mache mir meine Notizen. Komisch ist nur, dass jedes Jahr das Kapitel über die Stadtpolitik am längsten ist. Dieses Jahr lasse ich aber bei den Stadtpolitikern noch mal Milde walten und halte mich zurück. Ist ja schließlich Weihnachten.