Magdeburg l Die Frauen des Opernchores Magdeburg bereiten derzeit ein besonderes Projekt vor. Unter Anleitung von Hermann Dukek singen sie eine Nabucco-Fassung für Kinder ein. Im Sommer 2015 soll die Oper auf die Bühne kommen. Aber nicht irgendwie: Schüler können die Aufführung mitgestalten und sie auf diese Weise nicht nur als passive Zuschauer, sondern auch als Teil der Inszenierung erleben. Denn wann immer Stücke für den Kinderchor an der Reihe sind, wird im Zuschauerraum des Opernhauses das Licht eingeschaltet und Dirigent Hermann Dukek wird den hoffentlich zahlreichen Schülern im Publikum ihren Einsatz geben.

Angesprochen sind dabei längst nicht nur Lehrende des Faches Musik. Denn die Idee ist, dass sich Schüler von 6 bis 12 Jahren nicht nur musikalisch mit "Nabucco" auseinandersetzen. Ein Religionslehrer etwa könne ebenso gut mit den Schülern arbeiten, ist Dramaturg Benjamin Wäntig überzeugt: "Es gibt wirklich vielfältige Anknüpfungspunkte", betont er.

Um den Lehrern das Einstudieren der einzelnen Chorstücke mit den Kindern zu erleichtern, singen die Frauen des Opernchores die Chorpassagen für eine CD ein, die dann an alle Schüler ausgereicht wird, die sich an dem Projekt beteiligen. Gleichzeitig bereitet das Team des Theaters ein Libretto vor - zwei Requisiten zum Selberbasteln inklusive. Damit sollte jeder in der Lage sein, sich die Musik anzueignen, ist sich Wäntig sicher. Lehrmaterialien gibt es für die Lehrer auch, und auf Wunsch kommen entweder eine Theaterpädagogin oder Dirigent Hermann Dukek selbst in die Klassen, um noch einmal musikalisch mit den Kindern zu arbeiten.

Die Aufführungen, die im Sommer stattfinden, sind für Hermann Dukek ein spannender Moment. "Diejenigen, die sich am meisten mit dem Stoff befasst haben, haben auch den meisten Spaß", spricht er aus Erfahrung. Und auch Benjamin Wäntig betont: "Um musikalische Perfektion geht es nicht, sondern vielmehr ums gemeinsame Singen." Und das funktioniere auch, erzählt er. Denn die Arbeit mit einem riesigen Kinderchor im Zuschauerraum ist kein Novum. Schon im vorigen Jahr hatten sich Schüler an einer Inszenierung beteiligt. Damals wurde der "Fliegende Holländer" von Richard Wagner einstudiert. Ein grandioser Erfolg, erinnert sich Benjamin Wäntig.

Die grundsätzliche Idee, mit Schülern zu arbeiten, stammt aus Italien. Denn Musikunterricht komme dort in den Schulen oft zu kurz, erzählt der Dramaturg. Um Schüler dennoch an die klassische Oper heranzuführen und Interesse fürs Theater zu wecken, wurde das Projekt ins Leben gerufen. In Italien gipfeln die Schulprojekte allerdings in regelrechten Tourneen, mit denen die Beteiligten durchs Land ziehen. War der "Fliegende Holländer" noch eine Co-Produktion, stemmt das Magdeburger Theater die Produktion für "Nabucco" allein. Das Stück wurde zu diesem Zweck gekürzt und die Handlung verdichtet, damit eine Länge erreicht wird, die auch jüngeren Schülern zugemutet werden kann. Auf diese Weise "passiert recht viel in kurzer Zeit", sagt Benjamin Wäntig. Das Stück sei actiongeladen, verspricht er und hofft, dass sich viele Schulklassen an der Aufführung und der langfristigen Einarbeitung in das Stück beteiligen werden.

Zunächst sind aber die Lehrer an der Reihe. Die nächsten Workshops für sie finden bereits im Januar statt. Die Kurse werden als Fortbildung anerkannt. Bis Anfang Februar können Lehrende ihre Schulklassen anmelden. Willkommen sind nicht nur Schüler aus Magdeburg, sondern auch aus dem Umland.

Am 3. Juni ist dann Premiere, für den 4. und 5. Juni sind weitere Schülervorstellungen am Vormittag geplant. Am 7. Juni hoffen die Organisatoren auf rege Teilnahme an der Familienvorstellung.

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