Etwas Nervenkitzel, einen kleinen Gruselfaktor und als Grundlage eine gehörige Portion Authentizität. Zum Abrunden noch ein paar feinste dramaturgische Elemente - fertig ist das Krimifutter. Keine schwere Kost, doch mörderisch pikant: Das ist das Format, das Oliver Lisewski den Magdeburgern servieren möchte. Gemeinsam mit seinem Kollegen Oliver Bierschenk hat der Schauspiel-Dramaturg eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die das Publikum mit zu den Abgründen der menschlichen Seele nimmt. Basierend auf den vom Magdeburger Krimi-Autor Bernd Kaufholz recherchierten Kriminalfällen inszenieren sie zu später Stunde szenische Lesungen im Foyer des Schauspielhauses.

Den Auftakt gab bereits im Oktober des vergangenen Jahres "Die Arsen-Hexe", die von Peter Wittig, Andreas Schulz und Marie Ulbricht unter Leitung von Oliver Bierschenk aufgeführt wurde. Um die Krimilust der Magdeburger stillen zu können, mussten bei dieser Veranstaltung sogar zusätzliche Stühle organisiert werden. Das erhoffen sich die Veranstalter nun auch von der zweiten Folge des "Tatort Magdeburg".

Dieses Mal ist es der Pfarrer Johann Georg Tinius (1764-1846) aus Poserna bei Weißenfels, der den Krimifans die Nerven kitzelt. Der "Büchernarr" Tinius sammelte Zehntausende Bücher, darunter viele wertvolle Schriften. Im März 1814 wurde er angeklagt, ein Jahr zuvor in Leipzig eine wohlhabende Witwe und 1812 einen reichen Kaufmann erschlagen zu haben, um seine riesige Bibliothek finanzieren zu können. Die spektakuläre Amtsenthebung fand damals in der Leipziger Nikolai-Kirche statt. Über diesen Fall hat Dramaturg Lisewski "wahnsinnig gestaunt hat". Denn neben der "kurzen und klaren Aufarbeitung" von Bernd Kaufholz in seinem Buch "Der Ripper von Magdeburg" existieren heute noch zahlreiche Quellen wie Gerichtsberichte und Akten. "Das ist ein Fall, dessen Linie sich bis ins Heute zieht", erklärt Lisewski und spricht u.a. vom Roman "Der Büchermörder" von Detlef Opitz.

Wie die Umsetzung dieses zweiten "Tatort Magdeburg" aussehen soll, kann der Dramaturg allerdings noch nicht sagen. Die Schauspieler stecken mitten in den Proben. Eines verrät er jedoch. Mit Sebastian Reck wird in der Tat ein großer Buchliebhaber in die Rolle des Tinius schlüpfen.

Ihm zur Seite steht Schauspielerin Michaela Winterstein. Und auch Lisewski selbst wird sich an der szenischen Lesung beteiligen. Ein großes Bühnenbild wird es nicht geben. Einzige Requisite sind Bücher. "Es soll von starken Zitaten leben", erklärt der Dramaturg. Krimi-Autor Bernd Kaufholz wird im Publikum Platz nehmen. Noch! Denn dass er selbst einmal mit auf der Bühne steht, schließt weder er selbst noch Lisewski aus. "Wenn ich mitmache, würde ich gern die Leiche spielen", scherzt Kaufholz. Verrät jedoch, dass es ihn schon reizen würde. Denn die Geschichten szenisch darzustellen, hebe sie noch einmal auf eine ganz andere Ebene. Zeit sich vielleicht doch noch eine andere Rolle zu überlegen, bleibt Kaufholz jedenfalls. Schließlich sollen noch viele dieser szenischen Lesungen folgen. Eine Liste von 30 spannenden Kriminalfällen habe er mit den Dramaturgen bereits besprochen. Der 3. "Tatort Magdeburg" werde beispielsweise den Kriminal-Hellseher August Drost ("Der Mann mit dem stechenden Blick"), der in den 1920er Jahren in Magdeburg und Umgebung mit seinen Täter-Vorhersagen für viel Furore gesorgt hat, in den Fokus nehmen. Er ist für Februar geplant. Wie es danach weitergeht, ist offen. Angestrebt ist ein monatlicher "Tatort". Dramaturgen und Schauspieler wechseln sich ab. "Allerdings müssen wir erst einmal abwarten, wie das Format bei den Leuten ankommt", erklärt Lisewski.

Gelegenheit sich einen Eindruck zu verschaffen gibt es am 9. Januar, um 21.30 Uhr im Foyer des Schauspielhauses. Der Eintritt kostet 5 Euro. Wer zuvor im Schauspielhaus das Theaterstück "Als wir träumten" (19.30 Uhr) schaut, zahlt keinen Eintritt. (ka)