Magdeburg l Der Brandgeruch steigt einem auch sechs Tage nach dem verheerenden Feuer noch vor dem Betreten des Fachwerkhauses in die Nase. Vor dem Haus liegt Schutt. Im Treppenhaus sind noch immer Pfützen aus Löschwasser. Inzwischen sind die Bewohner zurückgekehrt und schauen, ob aus den Wohnungen noch etwas gerettet werden kann.

"Wir haben fast alles verloren", sagt Maik Rudolph. Er steht auf einer Leiter in einem Raum, der einmal die Küche gewesen ist. Über ihm klafft ein großes Loch, durch das man den Himmel sehen kann. "Wir schauen, ob man noch was retten kann", sagt Ru- dolph. Im Wohnzimmer liegen Plattenspieler und Fernseher in einer großen Pfütze. "Es ist nicht viel, was wir noch haben", sagt er. Die Möbel sind zerstört. Viele Sachen kaputt.

Er und seine Frau waren noch wach, als das Feuer am vergangenen Freitag ausbrach. "Wir haben der Feuerwehr noch beim Löschen zugesehen", sagt er. Doch die Flammen griffen auf das Dachgeschoss über und plötzlich ging alles ganz schnell. Evakuierung. Alle Bewohner mussten raus. Mitnehmen konnten sie nicht viel.

"Wir wohnen jetzt übergangsweise in einer Wohnung der Wohnungsbaugesellschaft. Wir wissen noch nicht, wie es hier weitergeht", sagt Ru- dolph. Der Alltag schreitet für die Bewohner indes trotz verlorener Wohnungen voran. "Ich bin selbstständig. Ich muss ja auch arbeiten", sagt Rudolph, der Chef einer Firma für Sicherheitstechnik ist.

Eine Frau aus der Wohnung ein Stockwerk tiefer berichtet, dass sie mit ihrem Mann und den Kindern zu Freunden gezogen sei. "Wir müssen uns jetzt eine neue Wohnung suchen. Das ist als Familie nicht so einfach", sagt sie. Eine andere Familie, die im Urlaub war, als das Feuer ausbrach und auch alles verloren hat, wandte sich in ihrer Wohnungsnot sogar an den Oberbürgermeister. Die Stadt vermittelte eine Wohnung der Wobau.

"Wir brauchen eigentlich eine trockene Lagerhalle oder Garage, in der wir die Sachen sortieren können, die wir retten konnten", sagt Rudolph. Viele seien verrußt oder noch nass. "Das müssen wir erst mal alles sichten", sagt er und steigt wieder auf die Leiter in dem Raum, der mal eine Küche war.

Die Polizei hat ihre Ermittlungen zum Brand abgeschlossen und fahrlässige Brandstiftung als Ursache ausgemacht. Ein technischer Defekt oder vorsätzliche Brandstiftung können als Ursachen ausgeschlossen werden. Was den Brand tatsächlich ausgelöst hat, können die Ermittler aber nicht mehr feststellen, zu groß ist die Zerstörung an der erst 2010 sanierten Fachwerkvilla. Ob eine Silvester-Rakete, Zigarettenstummel oder eine Kerze das Feuer auslöste, wird man nicht mehr herausfinden.

Inzwischen ist auch das Bauordnungsamt der Stadt in dem Haus gewesen. Das Amt hatte geprüft, ob eine Gefahr für die Allgemeinheit besteht. Das ist nicht der Fall. "Nun müssen die Wohnungseigentümer sich zusammensetzen und beraten, wie es weitergehen soll", sagt Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra. Im Wesentlichen gibt es zwei Optionen: abreißen oder komplett entkernen. Hört man sich bei den Eigentümern um, stehen die Zeichen auf Wiederaufbau des schönen Fachwerkhauses. Auch die Versicherungsgutachter waren schon in dem Haus und haben die Schäden an Gebäude und in den Wohnungen dokumentiert. Geschätzte Gesamtkosten: drei bis vier Millionen Euro.

 

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