Der Elbebiber lässt sich seit einigen Wochen die Weiden auf dem Domfelsen schmecken. Das sei eine Premiere, sagt Biberexperte Klaus-Dieter Ulrich.

Altstadt l Als Jutta und Werner Wöckel vor einigen Wochen auf der Elbuferpromenade spazierten, machten sie eine ungewöhnliche Entdeckung. "Beim Blick über das Geländer bot sich die Aussicht auf einen Baum auf dem bewachsenen Teil des Domfelsens, der offensichtlich dem besonderen Interesse von Bibern anheimgefallen ist", schreiben sie in einem Leserbrief. Lange wird er wohl nicht mehr stehen, mutmaßten sie. Inzwischen hat sich "Meister Bockert" tatsächlich bereits der nächsten Weide zugewandt.

Dass er sich auf den Domfelsen traue, sei in der Tat eine Premiere, bestätigt Klaus-Dieter Ulrich auf Volksstimme-Nachfrage. Er ist beim Naturschutzbund Sachsen-Anhalt (Nabu) der Experte für alle Fragen rund um den Nager. Im Raum Magdeburg beobachtet er für die Kartierung des Bestands fünf Reviere. Das Exemplar werde wohl vom Stadtpark aus herüberschwimmen, vermutet er. Die starke Strömung macht dem Tier offenbar nichts aus. Weil er sein Nagewerk nachts verrichtet, kann er dabei nur schwer beobachtet werden. "Ich habe mich schon auf die Lauer gelegt", sagt Ulrich. Ohne Erfolg. Dass er den Weg auf sich nimmt, liege an der kalten Jahreszeit und dass die Weide ein Leibgericht des Bibers sei: "Die mag er gern." Beim Nagen daran schärft der Biber seine Zähne.

Während der Biber in Magdeburg ungestört seinen Geschäften nachgehen kann, bereitet dem Nabu indes ein bereits vor einem Jahr verabschiedetes Landesgesetz große Sorgen, erklärt Geschäftsführerin Annette Leipelt. Die "Abschussverordnung", wie sie sie nennt, ermögliche es Gemeinden auch ohne extra einzuholende Ausnahmegenehmigung den Pelzträger zu jagen.

Vorbild ist ein Gesetz aus Bayern. Dort seien bereits Hunderte Biber abgeschossen worden. Hintergrund sind wirtschaftliche Schäden, die durch den Nager verursacht werden.

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