Magdeburg l Der klagefreudige Anwohner, der schon einen vorübergehenden Baustopp am neuen Tropenhaus mit Schimpansenanlage erwirkt hatte, könnte erneut für Ärger sorgen. Im Anhörungsverfahren zum jetzt geplanten Rück- und Umbau des alten Menschenaffenhauses habe der Mann über seinen Anwalt bereits Widerspruch angekündigt, sagte Zoochef Kai Perret.

Es droht die nächste Katastrophe an der prominentesten Bauruine des Tierparks. Schon kurz nach der Eröffnung des Affenlandes im Jahr 2000 waren gravierende Mängel aufgetaucht: Die Lüftung in dem Tropenhaus entpuppte sich als Fehlplanung, verursachte dicke Luft und Schimmelbefall. Obendrein fühlte sich ein Anwohner an der nördlichen Zoogrenze vom Affengeschrei belästigt und klagte. Mit Erfolg, denn die Bauausführung hatte noch einen schweren Mangel: Statt eines Glasdachs war ein Folienkissendach eingebaut worden. Die Folge: Das Bauwerk blieb jahrelange gesperrt.

Lautstärketest für Mandrill-Affen

Nun ein neuer Versuch, das Affenhaus doch noch zu nutzen und "zu retten, was zu retten ist", so Perret. Er plant einen Neuanfang mit spektakulärem Neuzugang. Der Primatenexperte hat sich Mandrill-Affen für das Revier ausgeguckt. Sie zählen zu den farbenprächtigsten Tieren der Welt und - so Perret - zu den ruhigen Vertretern. "Sie sind nicht sehr ruffreudig", betont der Zoochef. Mandrills kommunizierten mehr über die Körperhaltung, Blickkontakt oder etwa mit Zähneklappern, sagt er.

Jener Tierarzt, der die Mandrills im Münsteraner Zoo für das hiesige Schallgutachten getestet hat, habe sich "mit einem Blasrohr davor stellen müssen, um die Tiere dazu zu bringen, Laute von sich zu geben", erzählt Perret. Man habe für das Gutachten bewusst auch genau die Tiere gewählt, die nach Magdeburg kommen sollen. "Nicht, dass es nachher heißt, unsere Magdeburger Mandrills seien lauter als die im fremden Zoo getesteten."

Abriss "auf jeden Fall"

Man will sich offenbar wappnen gegen den anhaltenden Zorn des Nachbarn. Kai Perret rechnet damit, dass er die Haltungsgenehmigung für die Mandrill-Gruppe noch im Januar bekommt. Der Antrag läuft beim Umweltamt, die Abrissgenehmigung für den Teilrückbau der alten Anlage liegt bereits vor. Im März soll Baustart sein. "Wir erfüllen alle Normen für die Haltung, das belegt u.a. das Schallgutachten", betont Perret.

Um auf der sicheren Seite zu sein, habe man von der ursprünglich avisierten Zehner- auf eine Sechsergruppe Mandrill-Affen umgeplant. Und doch schwant dem Zoochef nach den Anhörungen nichts Gutes. Verzögerungen durch die angedrohte Anwohnerklage würden weiteren wirtschaftlichen Schaden bringen, warnt er. "Das geht zu Lasten des Zoos, der Besucher und der Stadt", so Perret.

Unabhängig von der Erteilung der Haltungsgenehmigung oder einer möglichen Klage will er das alte Affenhaus wieder in den Zoo integrieren. "Wir bauen so oder so zurück", verkündet Perret gegenüber der Volksstimme. Denn ebenfalls noch in diesem Jahr soll die neue Gastronomie gleich nebenan am alten Osteingang gebaut werden.

Umbau soll im Herbst fertig sein

Bis dahin müsse die schwere Technik am alten Affenhaus wieder weg sein, damit der Weg frei ist, begründet Perret. So wird das Affenhaus ab März zurückgebaut. Natürliche Böden, natürliche Bepflanzung kommen hinein. Das Dach wird in der Mitte komplett geöffnet, die gewaltigen Leimholzbinder werden dafür ausgebaut, auch die Kunstlandschaft verschwindet.

Der Rundweg für die Besucher und das umlaufende Flachdach bleiben dagegen erhalten. "Ein schöner Regen- und Sonnenschutz für die Gäste", findet Perret. Im Herbst schon soll der Umbau (400.000 Euro) fertig sein. Mit Haltungsgenehmigung könnten die farbenprächtigen Affen dann noch 2015 einziehen und für großes Staunen bei den Besuchern sorgen. So der Nachbar vielleicht doch noch ein Einsehen zeigt.