Magdeburg l Als sich abgezeichnet hat, dass die Rechtsradikalen am Freitag im Norden demonstrieren werden, organisierte die Kantorin der St.-Nicolai-Gemeinde, Hedwig Geske, kurzerhand einen Meilenstein, meldete die Versammlung bei der Polizei an. Eigentlich war dieser Meilenstein-Protest für den Sonnabend gedacht. "Aber wir mussten am Freitag einfach schnell handeln", sagte Kantorin Hedwig Geske am Tag danach.

Mehr als 500 Leute versammelten sich am Freitag auf dem Nicolaiplatz vor der von Karl Friedrich Schinkel erbauten Kirche. Als die Neonazis in Sichtweite waren, läuteten die Kirchenglocken. "Wir müssen zeigen, dass Magdeburg bunt und tolerant ist", so Hedwig Geske. Insgesamt stellten sich am Freitag 1000 Demonstranten den Rechtsradikalen in den Weg, von denen 300 mit Fackeln und Transparenten durch Neue Neustadt marschierten. Damit kamen zu dem alljährlichen Rechtenaufmarsch zum 70. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs deutlich weniger Teilnehmer als in den Jahren zuvor. Der für Sonnabend angemeldete Rechten-Aufmarsch wurde komplett abgesagt.

Neben der Meile der Demokratie auf dem Breiten Weg, zu der 15 000 Besucher kamen, fanden im gesamten Stadtgebiet kleine Meilensteine statt. "Die Aktionen in den einzelnen Stadtteilen sind wichtig, um den öffentlichen Raum zu besetzen", sagte Sebastian Essig vom Verein Kante, der ebenfalls beim Meilenstein auf dem Nicolaiplatz dabei war. Am Sonnabend spielte neben einem Jugend- und Gospelchor auch ein DJ.