Magdeburg l Ein Volksfest voller Lebensfreude und Spaß und tanzender Menschen mitten auf dem Alten Markt. Eigentlich ist das nichts Ungewöhnliches. Für den Verein, der im Sommer Tausende Besucher mobilisierte, ist es ein Meilenstein. Die Regenbogenfahne flatterte am Rathaus, der Christopher Street Day (CSD) hielt Einzug.

Der CSD ist eine Parade, die weltweit für ein tolerantes Miteinander und mehr Akzeptanz für Homosexuelle wirbt. Er ist eine Demonstration mit Musik und bunten Kostümen als Symbol der Vielfalt gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Bisexuellen. Seit über zehn Jahren wird die Parade auch in Magdeburg organisiert. Zunächst in der Liebig-, dann in der Hegelstraße beheimatet, zog der CSD nun erstmals auf den Alten Markt. Der CSD-Verein, dessen Geschicke Mathias Fangohr mit lenkt, hat es geschafft, die Demo in der Stadt aus der Nische zu holen. 2000 Teilnehmer schließen sich im Sommer 2014 an. Unter ihnen sind nicht nur Homosexuelle.

Doch werden gerade sie bei aller Freude über das Erreichte immer wieder eingeholt. Von der Angst, ausgegrenzt zu werden, der Angst vor Übergriffen. Mathias Fangohr kennt diese Angst: Derzeit lebt ein Mann bei ihm, der wegen schwulenfeindlicher Übergriffe aus seinem Land geflohen ist. Dem das Gleiche dann im Flüchtlingsheim widerfahren ist. Für Mathias Fangohr war schnell klar, dass er hilft. Aus Angst, in der Stadt oder in der Straßenbahn auf seine Peiniger zu treffen, geht der Gast nicht auf die Straße, zu schlimm ist das Erlebte.

Erfahrungen dieser Art musste Mathias Fangohr zwar nicht machen. Doch sind ihm solche Vorfälle durch seine Arbeit beim Schwulen- und Lesbenverband bestens bekannt. Und sie reißen nicht ab.

Als Jugendlicher, der in der Altmark aufwächst, verspürt auch er die Angst vor Ausgrenzung. Mut, sich im Alter von 14, 15 Jahren jemandem anzuvertrauen, hat er nicht. Mit 18 Jahren weiht er seine Eltern ein, stellt den ersten Freund vor. Anders als erwartet, stößt der heute 36-Jährige auf positive Reaktionen. In der Zwischenzeit hat sich in der Gesellschaft einiges getan. Auch dank Personen, die in der Öffentlichkeit stehen wie Politiker, Musiker und Schauspieler und sich outen. Dass sich Vereine der Fußballbundesliga einer aktuellen Befragung zum Umgang mit dem Thema verweigern, stimmt ein Jahr nach dem Outing von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger nachdenklich.

Beim Nachdenken ist es bei Mathias Fangohr nicht geblieben, wenn es darum geht, was getan werden kann. Er möchte, dass in Magdeburg die Berührungsängste zwischen Homo- und Heterosexuellen schwinden. Zum Beispiel mit einem Fest, das genau die Lebensfreude verkörpert, die von den Teilnehmern empfunden wird, eben weil sie lieben, wen sie lieben.

Die Vorbereitungen für den kommenden Christopher Street Day im Sommer laufen bereits auf Hochtouren. Er soll einen weiteren Schritt in diese Richtung machen. Getragen wird das Fest vom Wunsch, dass jeder leben und lieben kann, wie er will, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Und vom Wunsch nach einem offenen Magdeburg, das für Toleranz steht.