Magdeburg l Oberbürgermeister und Ministerpräsident hatten gerade ihre Ansprachen auf der Bühne am Alten Markt gehalten, da kritzelte die kleine Mathilda mit einem Buntstift auf einem A3-Papierbogen herum. Noch kann sie nicht schreiben, aber für ein paar Striche auf dem Blatt für ein weltoffenes Magdeburg, ausgelegt von der Feuerwehr Olvenstedt, reicht\'s. Gleich daneben sitzt Papa Miles und weiß, dass Verständigung und Toleranz ganz wichtig sind. Er kommt aus Australien, einem klassischen Einwanderungsland, und erlebt seit 2011 zumindest als befristeter Einwanderer Magdeburg.

Miles Simon ist Matheprofessor und lehrt an der Uni Magdeburg. "Meine Erfahrung in Magdeburg? Ich fühle mich hier sehr glücklich und total integriert", sagt er in klarem Deutsch mit nur schwachem englischem Akzent. Als Australier betont er aber auch, dass Integration nicht von selbst kommt. "Es ist wichtig, dafür zu werben, aber auch wichtig, dass Probleme angesprochen und gelöst werden", sagt er und verweist auf seine australische Heimat.

180 Akteure, darunter 21 Schulen


So wie er schlenderten am Sonnabend Tausende Magdeburger über die Meile der Demokratie. Rund 180 Akteure, darunter allein 21 Schulen, hatten den Breiten Weg zum längsten Straßenfest der Stadt werden lassen. Zwischen Altem Markt und alter Staatsbank reihte sich Stand an Stand. Ob Uni, Hochschule, Dialog der Generationen, der 1. FC Magdeburg, die Katholische Erwachsenenbildung oder die Gewerkschaft der Polizei - die Meile blieb ihrer Tradition treu und brachte einen Ausschnitt aus der Magdeburger Szene von Kunst, Kultur, Bildung, aber auch Wirtschaft und Gesellschaft.

Anders als in den Vorjahren konnten die Besucher aber ohne die unterschwellige Angst vor einer Nazi-Demonstration in der Stadt und der entsprechenden Polizeipräsenz über den Breiten Weg bummeln. Die rechten Gruppierungen hatten am Freitag ihren Auftritt für Sonnabend abgesagt. So blieb auch das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Sicherheitskräften und den Nazis sowie ihren Gegnern aus, das im Vorjahr noch in einer später viel kritisierten Elbbrückensperrung gipfelte. Stattdessen nutzte beispielsweise Hannelore Patzak die Chance, mal auf ein ausgestelltes Quad zu steigen und sich als Rockerlady ablichten zu lassen. "Aber eigentlich bin ich natürlich hier um zu zeigen, dass wir offen sind für Flüchtlinge, uns aber auch keine Religionskriege, egal welcher Art, aufzwingen lassen dürfen."

Lara, Hedda, Anne, Isabel und Johanna setzten wenig später auch ein Zeichen. Sie reihten sich in die Menschenkette ein, die sich ab 13.15 Uhr über 1600 Meter vom Allee-Center über den Breiten Weg und den Domplatz und wieder zurück gebildet hatte.

Im Mittelpunkt stand der ebenso lang wie bunt gestrickte Schal der Oskar-Kämmer-Schüler, die an dem Projekt mit Unterstützung vieler anderer rund zwei Jahre lang gearbeitet hatten.

Organisatoren werten die siebte Auflage als Erfolg


Am Ende zogen die Organisatoren der Meile der Demokratie eine positive Bilanz. Mit rund 15000 Besuchern kamen 3000 mehr als vor einem Jahr. Nazis wurde erneut kein Raum in der Innenstadt gegeben.

Tausende Magdeburger hingegen verständigten sich auch untereinander.

   

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