Magdeburg l Derzeit wagen sich nur die Enten und Blesshühner in das kalte Wasser des Barleber Sees. Doch wenn die warmen Tage nahen, wollen auch die Mitglieder der Bungalow-Siedlung "Magdeburg-Nord" e. V. wieder ins dann erfrischende Nass springen und zwar wie in den Jahrzehnten zuvor ohne regulären Eintritt zum Strandbad zahlen zu müssen.

Seitdem die Stadt im vergangenen Juni quasi über Nacht einen Zaun um das bisher von ihnen genutzte Strandstück gezogen hat, sind die Siedler in Aufruhr. Auch jetzt im Winter, wenn der See eigentlich still ruht, schlägt die Empörung um die "Ausbootung" hohe Wellen in den 72 Parzellen. Und das sogar wörtlich: Denn auch wie sie ihre Ruderboote von und zum See bekommen sollen, ist seitdem unklar, berichten sie dem Volksstimme-Reporter.

Keine Einigung für Boote

Hintergrund des Zauns ist die Absicht der Stadt, "Schwarzbader" von dort zu vertreiben und so die Einnahmen zu erhöhen. Außerdem haben der dort ansässige Segelverein und der Surfverein des Universitätssportclubs die Flächen gepachtet und wollen dort offenkundig keine unbefugten Personen haben.

Versuche, eine individuelle Einigung, z. B. um je einmal im Frühjahr und Herbst das Boot von bzw. zum Strand über das Gelände zu bringen, seien abgeblockt worden, berichtet Ralf Sosnowski, Vorstandsmitglied im Siedlerverein.

Die Stadt erstellt derzeit ein Konzept, um die Zukunft des Strandbades in geordnete Bahnen zu lenken. Dort soll auch der Zaun und die dadurch unterbrochene Umwegung des Sees ein Thema sein. Dazu wurden die Anliegervereine angefragt, ihre Anregungen einzubringen. Weil das laut Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra relativ lange gedauert habe, hat sich das gesamte Konzept verzögert. Zuletzt für eine Vorlage im Februar im Stadtrat angekündigt, sieht es derzeit so aus, als dass frühestens im Mai eine Entscheidung über die Badezukunft am See ansteht.

Die Bungalowsiedler haben in ihre Vorschlagsliste natürlich den Zaun als Hauptproblem aufgenommen. Sie wünschen sich zum Beispiel mindestens eine Vergünstigung bei den regulären Eintrittskosten, sollten andere Verhandlungen scheitern. Für die Camper gibt es solch eine Ermäßigung, für die Siedler sei das aber nicht möglich, habe man ihnen mitgeteilt, ohne Gründe zu nennen.

Seegrundstück ohne Zugang

Als sie vor gut zwei Jahren ihre Parzellen vom Bund kauften, wurden diese als Seegrundstücke entsprechend teuer bewertet. "Und nun haben wir dazu keinen richtigen Zugang mehr", schimpft Hans Poppe. Weil sie auch die Wege in der Siedlung mitgekauft haben, sind sie theoretisch in der Lage, diese für die Öffentlichkeit zu schließen. Die Kinder und Jugendlichen aus dem Ferienzentrum müssten dann entlang der Straße bis zum Haupteingang laufen. So weit soll es aber nicht kommen. "Wir wollen uns nicht mit den Behörden verfeinden", meint Ralf Sosnowski.

 

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