Magdeburg l Da kam ihm die Anfrage der Magdeburger Künstlerin Susanne Bard gerade recht: Das Ensemble der Kammerspiele suchte Verstärkung für seine neue Inszenierung. "Abraham" heißt die und beleuchtet das Leben des gleichnamigen Komponisten Abraham. Der feierte in den 1930er Jahren Erfolge, wurde innerhalb weniger Jahre zum Millionär und begeisterte das Musikpublikum weltweit.

Der ungarisch-deutsche Künstler revolutionierte in einer von Opern dominierten Zeit das Musikgeschehen durch seine Operetten. Budapest, Berlin, Wien, Paris, Casablanca, Havanna, New York - überall wurde er gefeiert. Doch das Leben des genialen Tonsetzers verlief nur bis zum Januar 1933 operettenhaft: Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland verwandelte es sich in eine Tragödie. Denn Paul Abraham war Jude.

Seinem kometenhaften Aufstieg und dem rauschenden Erfolg folgten Vertreibung, Flucht, Erfolglosigkeit und Wahnsinn. Mit einem "Krankentransport" wurde er 1956, mittlerweile geisteskrank, aus dem US-Exil wieder nach Deutschland gebracht. In Hamburg verlebte er seine letzten Jahre.

Dort setzt das Stück ein, das von Dirk Heidicke geschrieben wurde. Der Autor war auf Abraham gestoßen, als er für "Olvenstedt probiert´s" einen Operettenstoff suchte. Dessen Leben fasziniert ihn so, dass er ein separates Stück beschloss. Ein Jahr zog er sich zurück, um zu recherchieren und zu schreiben.

Was daraus geworden ist, präsentieren die Kammerspiele in einem Monat. Mit Jörg Schüttauf als Abraham, und die Frauen an seiner Seite werden von Susanne Bard verkörpert. Sie durchleben die unterschiedlichsten Zeiten und Gefühle, was eine große Bandbreite an Darstellungskunst erfordert. Uraufführung ist am 20. Februar im Blüthnersaal der Stadthalle.

Es ist nicht Schüttaufs erster Auftritt in dieser Halle. Zum Ende seiner Studienzeit hatte er sein erstes Engagement in Magdeburg. Nebenbei wollte er mit Musikerfreunden "Senioren unterhalten und fanden das eine gute Idee". Das ging ziemlich schief, erzählt er heute lachend. Hernach widmete er sich doch lieber dem Schauspiel. Sehr erfolgreich. Bereits mit seinem Filmdebüt als Ete in "Ete und Ali" (1985) glänzte er, es folgten unzählige Filmrollen. Bahnbrechend im gesamtdeutschen Fernsehen 1991 "Mit dem Anruf kommt der Tod". Damals war er der Täter. Später wurde er für Jahre der Kommissar Fritz Dellwo an der Seite von Andrea Sawatzki im Frankfurter "Tatort". Bis heute ist er der wohl einzige Schauspieler, der sich aus einer Kommissar-Rolle freiwillig verabschiedet hat. "Ich brauche einfach die Abwechslung", erzählt er darüber. Und wechselt das Thema.

Zurück zu Magdeburg. Er freut sich auf das Spiel mit Susanne Bard. Sie kennen sich aus ihrer Studienzeit an der Theaterhochschule in Leipzig. Dort haben sie mit "Happy End" bereits ein Musical auf die Bühne gebracht. Ihr Musicallehrer damals war Jens-Uwe Günther, der in den letzten Jahren nicht nur regelmäßig mit Susanne Bard zusammenarbeitet ("The Kraut"), sondern auch bei "Abraham" mitwirkt. Er übernimmt den Part des Pianisten. "Darüber sind wir sehr glücklich", schwärmt Bard, "weil er selbst Komponist ist, wunderbar auf uns eingehen und transkriptieren kann."

Während Susanne Bard einen Ruf als Sängerin hat, ist der Abraham für Jörg Schüttauf die erste musikalische Hauptrolle. Wenn auch nicht der erste Bühnengesang: In Potsdam gab er den Peachum in der "Dreigroschenoper". Publikum und Kritiker waren begeistert. Das verspricht Großes für Magdeburg.