Magdeburg l Sie "riechen" das Hochwasser. Instinktiv haben viele der im (regelmäßig überfluteten) Stadtpark beheimateten Schwarzkittel mit dem anschwellenden Elbewasser das Weite gesucht. Geschätzt wurde der Bestand dort zuletzt auf 60 bis 80 Tiere. Das Schwarzwild ist unter anderem auf höher gelegene bewaldete Bereiche des Biederitzer Buschs ausgewichen. "Die selben Wildschweinrotten wurden zuvor sowohl im Stadtpark als auch in den östlichen Stadtgebieten gesichtet", berichtet Kreisjägermeister Dr. Gerd Petzoldt.

Beste Voraussetzung für eine Großjagd, nachdem mehrere Anläufe, die Tiere im Stadtpark aufzustöbern und zur Strecke zu bringen, nahezu erfolglos gewesen waren. Zumindest, was die Abschüsse betrifft: Lediglich drei Wildschweine wurden dort seit 2013 erlegt. Stadtverwaltung und Grundstücksbesitzer hatten im Stadtpark immer häufiger Schäden beklagt.

Frischlinge im Visier
Jetzt der Durchbruch für die Magdeburger Jägerschaft. Sie kann ihren bislang größten Erfolg der letzten Jahre bei einer Gemeinschaftsjagd auf Wildschweine vermelden. An zwei Tagen wurden insgesamt 53 Schwarzkittel zur Strecke gebracht, berichtet Petzoldt gegenüber der Volksstimme. Am Freitag, dem 16. Januar, habe es die erste revierübergreifende Drückjagd auf dem Territorium der Landeshauptstadt gegeben. 80 Jäger hätten die Schwarzkittel mit 18 Jagdhunden und zwölf Jagdhelfern auf einem Gebiet von gut 1000 Hektar ins Visier genommen. Dabei sei ostelbisch das gesamte Gebiet im und um den Biederitzer Busch, die Flächen nördlich der Pferderennbahn sowie der Lake bejagt worden.

Ergebnis nach 2,5 Stunden: 42 Wildschweine erlegt, davon 28 Frischlinge. Auf sie zielt die Jagd insbesondere ab, während Leitbachen weitestgehend verschont bleiben. Sie übernehmen in der Rotte die "Cheffunktion", erkennen und meiden Gefahren. Mit ihnen lassen sich die Rotten besser aus bestimmten Gebieten "vergrämen", sprich verjagen.

"Beachtlich" aus Sicht von Kreisjägermeister Petzoldt auch das Ergebnis des zweiten Jagdtages. An diesem 17. Januar wurden bei einer etwas kleineren Jagd mit knapp 40 beteiligten Jägern in der Kreuzhorst noch einmal elf Schwarzkittel erlegt, darunter neun Frischlinge.

Das Gesamtergebnis - 53 erlegte Tiere an zwei Tagen - habe man so nicht erwartet, sagt Petzoldt. Es sei ein "großer Beitrag zur Wildschadensverhütung", so seine Einschätzung. Auch mit Blick auf die sich weiter ausbreitende Afrikanische Schweinepest sei dieses Ergebnis "hoch anzurechen", meint der Kreisjägermeister.

Die beiden Drückjagden seien mit der Stadtverwaltung, den zuständigen Revierförstern und der AG Wildtiere abgestimmt, ergänzt er. "Wir waren von der Unteren Jagdbehörde der Stadt Magdeburg damit beauftragt und haben die Jagden mit den dort zuständigen Forstbetrieben des Landes und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt organisiert", so Petzoldt.

Die Jagd geht weiter
Die Jagd auf Wildtiere im Stadtgebiet ist in der Vergangenheit von Tierschützern heftig kritisiert worden. Um Störungen zu vermeiden, sind Jagdtermine im "Sondergebiet" Stadtpark später auch nicht mehr öffentlich gemacht worden.

Ungeachtet dessen geht die Jagd auf das Schwarzwild in den Revieren der Stadt weiter. Eine nächste große Drückjagd wird es im kommenden Winter geben, kündigte Petzoldt an. Im Laufe des Jahres werde es zudem individuelle Jagdmaßnahmen in Form der Einzelansitze geben.