Seit 2008 erfreut sich ein roter Bus großer Beliebtheit bei Magdeburgern und vor allem bei Touristen. Der Doppeldecker chauffierte schon Tausende vorbei an Dom, Kloster und Hundertwassers Haus. Doch die stehen in der Umweltzone und sind für das Mobil womöglich nimmer mehr erreichbar.

Magdeburg l Aktuell liegt der Bus im Winterschlaf. Mit dem oben offenen Mobil wird nur von April bis Oktober auf Tour gegangen; in der kalten Jahreszeit ersetzt ein weit weniger spektakulärer Reisebus das Gefährt bei Stadtrundfahrten. Doch der April steht vor der Tür und der "Rote" hat Fahrverbot.

Öffentlich machte das Problem der Linke Oliver Müller mit einer Anfrage an den Stadtrat. Er wollte wissen, ob etwa stimmt, was er da gehört habe: Der Bus, "ein Publikumsmagnet", entspreche nicht der Abgasnorm? Und wenn tatsächlich nicht, was dann?

Holger Platz, für Ordnung und Umwelt als Beigeordneter zu ständig, reagierte knapp und eindeutig: "Wir teilen Ihre Sorge." Der Bus erfülle die Anforderungen nicht. Magdeburg kaufte das Gefährt 2008 aus Berlin an. Die Hauptstadt musste es eben deshalb loswerden, weil dort bereits 2008 Plakettenpflicht herrscht und "Stinker" wie der rote Bus mit Fahrverbot belegt sind. In Magdeburg wurde die Umweltzone am 1. September 2011 sieben Quadratkilometer weit über die komplette Innenstadt und Teile darüber hinaus verhängt - auf ministerielle Order und zum Zwecke der Luftreinhaltung.

Sorge um Vorbildfunktion

Seither hangelt sich der Rundfahrtbus bei wachsender Auslastung per Ausnahmegenehmigung von Saison zu Saison. Die letzte ist am 15. Januar abgelaufen. "Wir wollen versuchen, eventuell noch einmal eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten, aber andererseits haben wir die Umweltzone selbst eingeführt und sollten da auch Vorbild sein", so Platz. Sein Kollege Rainer Nitsche, Beigeordneter für Wirtschaft und Tourismus, ergänzte, dass man schon diverse Kontakte auf der Suche nach einer Ersatzbeschaffung auslote und Berlin das Problem schließlich auch gelöst habe. Dort touren neue Doppeldecker umweltgerecht.

Das Fazit der Aussagen im Rat: Problem erkannt, aber noch ungeklärt. Die neue Rundfahrtsaison startet in neun Wochen.

Die Volksstimme fragte bei denen nach, die näher als die Ratshausspitze am Bus sitzen - beim Eigentümer und beim Betreiber. Eigentümer ist die stadteigene Tourismusgesellschaft MMKT. Seit Jahresbeginn ist Sandra Yvonne Stieger neue Geschäftsführerin der Firma und sieht sich umgehend mit dem Problembus konfrontiert. Sie sagt: "Wir prüfen alle Möglichkeiten, die es gibt, um den Bus weiter nutzen zu können. Alles andere wäre für uns ein herber Verlust. Wir tun wirklich alles." Die Nachfrage nach einer Rundfahrt im Bus hätte sich in den vergangenen Jahren "enorm" entwickelt, was sich auch in den Einnahmen der Gesellschaft niederschlägt. Allerdings muss Stieger auch vermelden: "Technisch umrüsten lässt sich der Bus leider nicht mehr. Er ist Baujahr 1982. Mit einer Ersatzbeschaffung noch für die aktuelle Saison wird es leider auch nichts mehr werden. So einen kultigen Bus bekommt man nicht von der Stange." Und schließlich sei auch die Finanzierung noch ungeklärt. Der alte Doppeldecker hatte die Stadt beim Ankauf aus Berlin 130000 Euro gekostet; für einen Neuwagen dürfte deutlich mehr anfallen. Kurz: Die MMKT als Eigentümerin habe einen erneuten Antrag auf Ausnahmegenehmigung gestellt.

Der Antrag sei noch nicht beschieden, so Stieger, "aber wir führen in den nächsten Tagen dazu Gespräche". Ausgang offen. Für den Fall, dass der Bus nicht mehr in die Innenstadt fahren darf, verweist Stieger auf seinen "TÜV" bis Ende 2015 und darauf, dass alternative Routen außerhalb der Innenstadt immerhin noch machbar wären; freilich in weitem Abstand vorbei an den Magdeburger Tourismusattraktionen.

MVB machen wenig Hoffnung

Weniger Hoffnung als alle Vorredner verbreitet Tim Stein, Pressesprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe. Die MVB betreiben den Bus, stellen Fahrer bereit und übernehmen die technische Wartung. Stein fragt in der technischen Abteilung seines Unternehmens nach und sagt: "Ich habe Informationen, aber keine guten." Eine weitere Ausnahmegenehmigung für den Bus stehe nicht in Aussicht. "Die gibt es nur noch für Arbeitsmaschinen und Oldtimer." Eine Arbeitsmaschine ist der Bus eindeutig nicht. "Als Oldtimer bekommt er keine Zulassung, weil er zu stark umgebaut wurde", gibt Stein das vernichtende Urteil der MVB-Techniker wieder.

Auf erneute Nachfrage ist MMKT-Chefin Stieger wenig glücklich mit den klaren Botschaften und beharrt darauf: "Wir sind der Eigentümer. Wir haben den Antrag gestellt. Wir haben noch keinen offiziellen Bescheid." Yvonne Stieger will mangels attraktiver Alternativen wenigstens ein Fünkchen Hoffnung auf den Doppeldecker-Betrieb für 2015 bewahren.