Magdeburg l Es ist eine gute Schule mit engagierten Lehrern und Erziehern, sind sich die Familien aus Cracau, Prester, Pechau und Randau-Calenberge einig. Dennoch sind viele Eltern unzufrieden mit der Situation, die seit Wochen an der Grundschule "Am Pechauer Platz" herrscht. Unterrichtsstunden fallen aus. Es fehlen Lehrer - nicht kurzfristig, für einen überschaubaren Zeitraum. "Ursache des Unterrichtsausfalls ist der hohe Krankenstand. Seit drei Jahren gibt es zudem an der Grundschule keine Schulleiterin", macht Andreas Schwesinger von der Elterninitiative das seit Wochen existierende Problem deutlich. Die Eltern fordern einen geregelten Unterricht und nicht nur eine "Verwahrung" ihrer Kinder und haben daher eine Elterninitiative gegründet.

174 Ausfallstunden verzeichnete die Cracauer Grundschule in der Witzlebenstraße im November. Sogar von Fernsehen als Alternativprogramm während der Vertretungsstunden sprechen die Eltern. "Da wird im Mathematik-Unterricht ein Film geschaut, anstatt den Kindern Rechnen beizubringen", berichtet ein besorgter Vater. Den Elternhäusern wurde zudem vermittelt, dass die Cracauer Grundschule ein Fremdsprachenkonzept in den Sprachen Englisch und Französisch anbiete, welches aufgrund bereits gestrichener Zusatzstunden nicht umgesetzt werden kann.

Elf Lehrkräfte unterrichten an der Schule, doch teilweise sind nur fünf davon anwesend. Demnächst gehe auch eine pädagogische Mitarbeiterin in Rente, erzählen die Eltern.

Beate Beinhoff, die die kommissarische Leitung der Grundschule innehat, äußerte sich auf Volksstimme-Nachfrage nicht zum Sachverhalt und verwies auf das zuständige Schulamt.

Mittlerweile zeichnet sich möglicherweise eine Lösung ab. So gab es kürzlich im Landesschulamt in Magdeburg ein ausführliches Gespräch mit den zuständigen Referenten für Unterrichtsversorgung und Elternvertretern zur Situation an der Grundschule "Am Pechauer Platz".

"Im November war der Unterrichtsausfall an der Grundschule vergleichsweise höher als der Landesdurchschnitt aller öffentlichen Grundschulen", bestätigt Silke Stadör, Mitarbeiterin für Öffentlichkeit und Koordination im Leitungsbereich beim Landesschulamt Sachsen-Anhalt auf Anfrage der Volksstimme. Im besagten Zeitraum war die Unterrichtsversorgung an allen anderen Grundschulen im Land, saisonbedingt, vergleichbar angespannt.

Für eine befristete Abordnung von Lehrkräften aus anderen Grundschulen standen keine Ressourcen zur Verfügung. Aus Sicht des Schulamtes gab es aber zu keinem Zeitpunkt Veranlassung, die Situation an der Grundschule als Missstand zu bezeichnen.

"Ein Teil der in diesem Zeitraum ausgefallenen Stunden an der Grundschule kann im zweiten Halbjahr nachgeholt werden, so dass der temporär hohe Unterrichtsausfall, auf das Jahr bezogen, aus eigenen Kräften wieder ausgeglichen werden kann", verspricht Silke Stadör.

Die Schulleiterin Katrin Lehmann soll am 1. Februar an die Grundschule "Am Pechauer Platz" zurückkehren. Sie war vorübergehend für einen längeren Zeitraum an eine andere Dienststelle abgeordnet.

"Mit der zu erwartenden Wiederaufnahme des Dienstes der Schulleiterin zum zweiten Halbjahr entsteht eine sehr komfortable Situation in der Versorgungslage der Schule. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass die berechtigten Sorgen der Eltern sich im zweiten Halbjahr nicht fortsetzen werden", so Silke Stadör.